Zu behaupten sich gesund zu ernähren sei immer einfach, wäre eine glatte Lüge. Obwohl 90% der deutschen Bevölkerung weiß, was alles zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung gehört, schafft es nur knapp jeder Dritte dieses Wissen auch im Alltag umzusetzen. Das ergab eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE).

Auch wenn wir den großen Vorteil haben, von zu Hause aus zu arbeiten, mit einem meist gut gefüllten Kühlschrank und der Möglichkeit jeder Zeit kochen zu können, kennen auch wir dieses Problem nur zu gut. Wie oft saßen wir schon mit knurrenden Mägen an unseren Schreibtischen, weil wir über die Arbeit das Essen vergessen hatten. Aber statt zu ungesundem Fastfood zu greifen, haben wir für uns mit der Zeit einige Strategien entwickelt, durch die wir uns in solchen Situationen dennoch gesund ernähren können. Warum sollten genau solche Ansätze nicht auch anderen helfen eine ausgewogene Ernährung besser in ihren Alltag zu integrieren? Genau das ist der Ansatz eines tollen Projektes, welches wir euch gerne näher vorstellen möchten. Das Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft startete zusammen mit dem Bundeszentrum für Ernährung den deutschlandweiten Ideenaufruf „Vom Wissen zum Handeln“. Noch bis zum 30. November 2017 können Ideen und pragmatische Ansätze oder auch bereits umgesetzte Projekte zum Thema gesunde Ernährung eingereicht werden. Das kann eine konkrete Anregung, eine bewährte Erfahrung oder eine kreative Aktion bis hin zu einer innovativen Kampagne sein.

Es ist gar nicht mal so einfach alltagstaugliche Ideen für jedermann zu entwickeln. Wir haben sehr lange über dieses spannende Projekt nachgedacht und uns den Kopf zerbrochen. Vielleicht liegt die Lösung für das Problem für euch aber schon auf der Hand?! Dann bewerbt euch mit eurer Idee beim Ideenaufruf. Alle nötigen Informationen und das Formular zur Bewerbung findet ihr hier: www.vomwissenzumhandeln.de

Ein Grundrezept, das sich mit einfachen Mitteln in 5 ganz unterschiedliche Gerichte verwandeln lässt.

Eine unserer Strategien eine gesunde Ernährung besser in den Alltag einzubinden ist das Vorkochen. Es ist die perfekte Möglichkeit auch an stressigen Tagen frische Mahlzeiten aus guten Zutaten ohne viel Aufwand zu genießen.

Wir haben uns überlegt, wie wir diesen Vorkochprozess noch einmal vereinfachen und optimieren können. Herausgekommen ist die Idee „5 aus 1“. Hierbei gibt es ein Basisrezept, welches sich mit nur jeweils zwei Zusatzzutaten in ein neues Gericht umwandeln lässt. Man kann also am Anfang der Woche eine größere Menge vorkochen und sich dann im Laufe der Woche in maximal 10 Minuten ein frisches, ausgewogenes und abwechslungsreiches Essen zubereiten. Wie das Ganze aussehen könnte, möchten wir euch an einem Beispielrezept aufzeigen.

Bei uns gibt es ein Rezept, das ganz oben auf der Liste der „schnell & einfach Gerichte“ thront und wir fanden sofort, dass es die perfekte Grundlage für unsere „5 aus 1“ Aktion ist: Das Ofengemüse. Je nach Saison variiert unser Rezept und trotzdem bleibt es denkbar einfach. Das Gemüse wird grob zerkleinert und anschließend mit einem Dressing gewürzt, bevor es in den Ofen wandert. Das sind 15 Minuten Arbeit und 35 Minuten Zeit, in denen man etwas anderes erledigen kann, während das Gemüse vor sich hin brutzelt.

Auf dieser Basis haben wir 5 unterschiedliche Rezepte entwickelt: Hummus mit Ofengemüse, eine Suppe, einen Brotaufstrich, Salat und eine Pastasauce.

 

Um unsere Idee noch besser in den Alltag integrieren zu können, stellen wir uns dazu eine App mit einer Sammlung von einfachen, schnell zuzubereitenden Grundrezepten vor, die durch Zugabe von wenigen Zutaten und mit schnellen Handgriffen zu eigenständigen Gerichten variiert werden können. Was haltet ihr davon? Könnte euch diese Idee helfen euch im Alltag gesünder zu ernähren, oder habt ihr eine viel bessere? Hier findet ihr alle nötigen Informationen und das Formular zur Bewerbung: www.vomwissenzumhandeln.de

 

Damit ihr eine konkrete Vorstellung von unserer „5 aus 1“ Idee bekommen könnt, findet ihr nachfolgend das Grundrezept und unsere 5 einfachen Variationen daraus.

Für 1 Kilogramm

Den Backofen auf 180 °C vorheizen. Die Möhren, Beten und Petersilienwurzeln, gründlich abbürsten oder schälen, anschließend grob zerteilen. Die Zwiebeln halbieren, den Knoblauch in Scheiben schneiden und alles auf einem Backblech verteilen und gut salzen. Die Rote Bete etwas beiseite legen, da wir sie nicht für alle nachfolgenden Rezepte verwenden.
Olivenöl, Essig und Ahornsirup zu einem Dressing vermischen und über das Gemüse träufeln. Im Ofen 30-40 Minuten backen, bis das Gemüse weich ist (mit der Messerspitze prüfen).

1. Mit Hummus als Beilage

200 Gramm des frisch gebackenen Gemüses auf 200 Gramm Hummus anrichten. Mit etwas Olivenöl beträufelt und mit gehackter Petersilie und Sesam garniert, wird es zu einem schnellen und bunten Mittagessen.

2. Mit Gemüsebrühe und Kokosmilch als Suppe

Für eine cremige Suppe  200 Gramm des gebackenen Gemüses mit 300 Milliliter Gemüsebrühe und 100 Milliliter Kokosmilch pürieren. Wer möchte, kann noch etwas frischen Ingwer, gemahlene Kreuzkümmel- und Koriandersamen dazugeben. Zum Schluss mit Salz abschmecken.

3. Mit Sonnenblumenkernen als Brotaufstrich

40 Gramm Sonnenblumenkerne rösten und mit 120 Gramm des gebackenen Gemüses, 60 Milliliter Wasser und einem Esslöffel des Gemüsesaftes, der nach dem Backen auf dem Blech zurückbleibt, cremig pürieren. Mit Salz abschmecken.

4. Mit Gerste und Rucola als Salat

Für einen warmen oder kalten Salat 300 Gramm des gebackenen Gemüses grob würfeln und mit 150 Gramm gekochter Gerste und einer Handvoll Rucola mischen. Als Dressing dient der Gemüsesaft, der nach dem Backen auf dem Blech zurückbleibt. 50 Milliliter davon mit einem Teelöffel Dijonsenf verquirlen und gut mit der Gerste und dem Gemüse vermischen. Gegebenenfalls nachsalzen.

5. Mit Tomatenmark als Sauce

Auch als Saucenbasis eignet sich das Gemüse hervorragend. Dafür 80 Gramm des gebackenen Gemüses mit 80 Milliliter Wasser und zwei Esslöffel Tomatenmark pürieren. Mit Salz und Ahornsirup abschmecken. Wir essen die Sauce gerne zu (Zucchini) Nudeln mit Kirschtomaten und Pinienkernen.

Im ersten Beitrag über unser kleines Abenteuer in den schwedischen Wäldern, haben wir euch schon viel über Urnatur und Good Travel erzählt. Den zweiten Teil möchten wir vor Allem dem Kochen widmen.

Schon länger beschäftigen wir uns viel mit dem Kochen auf offenem Feuer. Bei Urnatur konnten wir uns auf den vielen Feuerstellen voll und ganz austoben. Sei es direkt am See, mitten im Wald oder in der offenen Gemeinschaftsküche. Es gibt dort zwar auch einen Gasherd, nichtsdestotrotz haben sich auch alle anderen Gäste an der Kunst des Feuermachens versucht. Das gehört einfach zum Erlebnis dazu. Ulrika und Håkan stellen eine große Auswahl an Töpfen, Pfannen, Kesseln und  Muurikkas, große finnische Grillpfannen, zur Verfügung. Alles Gusseisen und mit Beinen, damit man es bequem über dem Feuer platzieren kann. Jeden Tag erntet Ulrika frisches Gemüse aus dem Garten, aus einem kleinen Kräuterbeet kann man sich selbst bedienen und auch sonst ist alles da, was man zum Kochen braucht. Öle, Essig, Gewürze, Linsen, Bohnen usw. Manchmal standen wir trotzdem Nachmittags mit knurrendem Magen vor der Dose mit dem knusprigen schwedischen Knäckebrot, weil wir vor lauter Fotografieren das Essen ganz vergaßen. Aber natürlich gab es auch Tage, an denen wir von früh bis spät am Feuer gewerkelt haben. Aus frischen Kartoffeln, jungen Beten und jeder Menge Kräuter und Blüten haben wir ein einfaches aber sehr aromatisches Abendessen zubereitet. Die Beten wurden im Ganzen mit Schale in einem Topf über dem Feuer gegart, geräuchert und anschließend geschält. Die Kartoffeln haben wir klein gewürfelt und nur mit etwas Öl und Salz gebraten. Der Eigengeschmack des Gemüses kombiniert mit den Aromen des Feuers. Dazu noch Knoblauchblüten, Dill, Schafgarbe und die zarten Blätter der Bete – ein Gedicht! Als Nachtisch gab es an dem Abend aromatische Waldbeeren (Himbeeren, Walderdbeeren und Blaubeeren) auf Haferflocken-Pfannkuchen. Etwas Joghurt und Ulrikas leckerer Löwenzahnsirup waren perfekt dazu. Das klingt jetzt ziemlich kitschig aber wenn man nach so einem Mahl im Dunkeln mit seiner Laterne durch den Wald läuft und den Sternenhimmel durch die Bäume beobachtet, kann man anschließend nur selig einschlafen. Diese Einfachheit, die Reduktion aufs Wesentliche, ist unglaublich entspannend.

Am nächsten Tag hat Håkan uns auf ein weiteres Stück Land der beiden mitgenommen um ein bestimmtes Schilf zu sammeln, welches er zum flechten verwendet. Auf dem Weg zu einem kleinen See, sind wir ihrer Schafherde begegnet. Die Schafe produzieren nicht nur ein gutes Düngemittel für den Boden, sondern tragen maßgeblich dazu bei, dass das Gelände nicht zuwuchert und die ursprüngliche Kulturlandschaft erhalten bleibt. Ohne die Tiere könnte die reiche Biodiversität des Ortes nicht aufrechterhalten werden. Die besonders alte Rasse “pälsfår” ist wahnsinnig schön und die Schafe der beiden Besitzer sind ungewöhnlich zutraulich und haben ihre Streicheleinheiten regelrecht eingefordert.

Nachdem wir von dem kleinen Ausflug zurück waren, saßen wir mit Ulrika, Håkan und Freunden von ihnen aus Berlin zusammen und kamen irgendwann auf das Thema „Kochen im Erdloch“. Wir wollten schon so lange einmal diese Zubereitungsmethode ausprobieren und sind aus allen Wolken gefallen, als Håkan vorgeschlagen hat das auszuprobieren.

Er ist selbstverständlich Fachmann und hat uns kurz erklärt, wie es geht. Danach hat er sich verabschiedet und uns machen lassen um später mit kritischem Auge über unsere Arbeit zu schauen. Zuerst muss natürlich ein Feuer her. Damit später die zu erhitzenden Steine darauf platziert werden können, muss es flach ausgebreitet werden. Über der Steinschicht haben wir eine weitere Lage Holz zum Brennen gebracht. Die anfangs dunklen Steine sind heiß genug, wenn sie weiß glühen. Bis dahin kann die Grube ausgehoben und reichlich Gras gesammelt werden, welches das Gargut vorm Verbrennen schützt. So wird der Inhalt schonend und feucht gegart. Das Kochen im Erdloch gehört zu einer der ältesten Kochtechniken und wird in einigen Regionen auch heute noch praktiziert. Zum Beispiel in Neuseeland und den Anden. Im Gegensatz zum direkten Garen über dem Feuer, also dem Grillen oder Rösten, ermöglicht es diese Art der Zubereitung trockene und feuchte Zutaten, sowie Kräuter und Gewürze gemeinsam zu garen. Für unser Gericht haben wir verschiedenes Gemüse grob gewürfelt, zum Beispiel Kartoffeln, Möhren, Bete und Blumenkohl und es nur mit Salz gewürzt. Wir wollten das pure Aroma schmecken, das durch das Kochen im Erdloch entsteht. Danach wurde das Gemüse in große Kohlblätter gewickelt und mit dem vorher gesammelten Schilf zu Päckchen verschnürt. Das Gemüse hält so zusammen, ist geschützt und kann gleichzeitig schonend im eigenen Saft garen.

Sind die Steine heiß genug, muss es sehr schnell gehen. Daher ist es wichtig, dass vorher alles genau vorbereitet ist und griffbereit liegt. Zuerst wurden die Steine nebeneinander ins Erdloch gelegt und mit einer dicken Schicht Gras bedeckt. Darauf kamen die Gemüsepäckchen und eine weitere Schicht Gras. Damit das Gras nicht anfängt zu brennen, musste die Grube schnell Luftdicht verschlossen werden. Dafür wird sie mit einer Plane oder einem Stoff belegt und mit Erde bedeckt. Es darf kein Rauch mehr entweichen können, nur dann ist der Erdofen wirklich dicht verschlossen. Dann hieß es warten. Je nach Inhalt variiert die Garzeit. Unser geschnittenes Gemüse sollte nach etwa einer Stunde fertig sein. Einen ganzen Kürbis, vielleicht sogar gefüllt, könnte man mittags ins Erdloch legen und bis zum Abend darin garen.

Um uns die Wartezeit zu verkürzen, haben wir direkt ausreichend Steine erhitzt um damit nicht nur das Erdloch, sondern auch eine Schwitzhütte zu beheizen. Während das Gemüse im Boden garte, sind auch wir in unserer Natursauna ganz schön ins Schwitzen gekommen. Als Abkühlung einen Kopfsprung in den See, bevor es den nächsten Saunagang gab.

Entspannt und gereinigt konnten wir nach einer Stunde das Gemüse aus dem Erdofen holen und gemeinsam essen. Der Duft war extrem aromatisch! Auch geschmacklich war das Gemüse hervorragend und hatte durch die schonende Garmethode eine tolle Konsistenz. Butterweich und trotzdem nicht verkocht. Zu dem einfachen Gemüse haben wir aus Möhrengrün, gerösteten Sonnenblumenkernen, etwas Knoblauch und Olivenöl ein Pesto zubereitet.

Nach dem leckeren Essen gönnten wir uns noch eine Runde mit dem Kanu auf dem See und ließen einen weiteren perfekten Tag am Lagerfeuer ausklingen. Wir sind uns sicher, dass es nicht unser letzter Besuch bei Urnatur gewesen sein wird. Wir werden auf jeden Fall zurückkommen!

Wer uns und unseren Blog verfolgt merkt schnell, dass wir ein besonderes Faible für schöne Orte haben, an denen wir abschalten und das Leben genießen können. Mindestens einmal im Jahr müssen wir unsere Wanderlust stillen. Den stressigen Alltag zu Hause lassen und neue Energie und vor allem Inspiration tanken.

Daher waren wir unglaublich glücklich, als uns vor einigen Wochen Franziska und Judith von Good Travel einluden, eine ihrer Locations zu besuchen. Auf der ersten europaweiten Buchungsplattform für nachhaltige Reisedestinationen haben die beiden sorgfältig ausgewählte, authentische und inspirierende Unterkünfte versammelt. Man findet auf der Website von Good Travel einzigartige Hotels, BnBs und Ferienhäuser, die nach 5 Nachhaltigkeitskriterien ausgewählt werden. Wichtig ist den Gründerinnen zum Beispiel eine regionale und frische Bioküche, eine naturnahe Bauweise und die bewusste Nutzung von Ressourcen. Auch das soziale Miteinander spielt eine wichtige Rolle. Die Unterkünfte müssen mindestens eines ihrer Kriterien erfüllen um gelistet zu werden. Die Auswahl reicht von alten Bauernhöfen über Designerhotels hin zu mediterranen Villen, Baumhäusern und Campingplätzen.

Vorgestellt werden sie mit ausführlichen Texten und Bildern die beim Stöbern sofort eine große Portion Fernweh hervorrufen. Beim ersten Blick auf die Homepage haben wir schon ein Dutzend Unterkünfte gefunden, für die wir direkt die Koffer packen würden! Sei es ganz in der Nähe von Berlin der Re:hof Rutenberg, der Arche Hof in Bayern, die außergewöhnlichen Terragora Lodges in Frankreich, das Eremito Hotelito del Alma in Umbrien, das Tainaron Blue Retreat in Griechenland oder das ION Iceland Adventure Hotel auf Island. Als große Skandinavien Fans hat es uns nach Schweden gezogen. Über das besondere Treehotel sind wir schon öfter gestolpert. Als uns schließlich Urnatur angezeigt wurde, war ganz klar, dass wir unsere Traumlocation gefunden haben.

Ulrika und Håkan sind das perfekte Beispiel dafür, dass es bei Good Travel nicht nur um nachhaltige und stilvolle Unterkünfte geht, sondern auch immer die Menschen dahinter eine wichtige Rolle spielen. Was die beiden mit ihrem Urnatur geschaffen haben, muss man einfach selbst erlebt haben. All die Inspiration aufsaugen, die dort geboten wird. Die Schönheit der Natur spüren, die Poesie des Waldes.

Ulrika ist Biologin und Designerin und Håkan Forstwirt. Ihr Bauernhof ist umgeben von einer ursprünglichen Kulturlandschaft mit freilaufenden Tieren, einem See, Feldern und ganz viel Wald. Zusammen bewirtschaften sie das Land seit über 20 Jahren nach traditionellen Methoden.

In ihren Wald haben sie aus eigener Kraft einzigartige Hütten und Baumhäuser gebaut. Diese bestehen nicht nur ausschließlich aus natürlichen Materialien, sondern wurden zum größten Teil aus dem Holz der Bäume gebaut, die Anfang des Jahrtausends zwei schweren Stürmen zum Opfer fielen. So mussten nur wenige gesunde Bäume gefällt werden. Durch ein mobiles Sägewerk wurden die Bäume vorgeschnitten, der Rest ist ganz viel Handarbeit. Alles muss genau passen, perfekt geschliffen sein, durch Moos abgedichtet. Einige Unterkünfte sind den traditionellen Hütten der Sami, den Ureinwohnern aus Nordschweden, nachempfunden und damit auch architektonisch ein Highlight. Jede der Hütten hat ihren eigenen Charme, eine eigene Persönlichkeit. Das Dach unserer Hütte wurde zum Beispiel mit einem besondern Teer imprägniert. Die Dachschindeln bekamen erst vor einigen Tagen wieder einen neuen Anstrich. Den wunderbaren, harzigen Duft konnte man schon viele Meter entfernt wahrnehmen. Bei uns löste er sofort ein wohlig warmes Gefühl aus. Auf anderen Dächern konnten wir alles bestaunen, was auch auf dem Waldboden wächst. So haben wir zwischen Moos und Farnen auf einem Dach köstliche Walderdbeeren gefunden.

Auch im Inneren der Hütten ist alles sehr natürlich und zurückhaltend eingerichtet. Die Räume sind mit selbst hergestellten Naturfarben aus Leinöl gestrichen, die Möbel wurden zum Teil von schwedischen Künstlern entworfen. Was alle Häuser gemeinsam haben ist, dass es keine Elektrizität gibt. Geheizt wird mit Öfen und Holz aus dem Wald, die Beleuchtung kommt von Kerzen oder Öllampen, gekocht wird auf offenem Feuer. Auch wenn es sehr gemütlich in den Hütten ist, haben wir es uns eigentlich immer nur abends mit einem Buch darin bequem gemacht. Es gab einfach zu viel zu entdecken und wir waren viel zu neugierig. Daher haben wir den Rest der Zeit versucht Ulrika und Håkan so oft es ging auszuquetschen. Über die Pflanzen im Garten und im Wald, besondere Zubereitungsarten, persönliche Geschichten. Wir wollten einfach so viel wie möglich von diesen inspirierenden Menschen lernen.

 

In den Tagen bei Urnatur haben wir wunderbares über den Wald erfahren und einfach ganz viel gekostet und probiert. Abgesehen von den tollen Dingen, die es sowieso jeden Morgen zum Frühstück gab, wie Ulrikas selbstgebackenes Sauerteigbrot oder dem Chaga Tee (einem Tee aus Birkenpilz), waren wir wahnsinnig begeistert von Löwenzahnsirup, Birkenwein und selbstgemachtem Waldlikör.

Besonders spannend fanden wir es, als Ulrika uns von barkbröd erzählte, einem Fladenbrot, dass aus der Borke von Kiefern gebacken wird. Diese Teigfladen wollten wir unbedingt mit ihr zusammen zubereiten und waren super glücklich, dass sie noch ein paar Stücke getrocknete Baumrinde in ihrem Vorratsschrank hatte. Heute ist es nicht mehr üblich dieses Brot zu backen, da es an schlechte Zeiten erinnert. Zu Krisenzeiten und im 2. Weltkrieg war es Notnahrung. Brot wurde mit dem Rindenmehl gestreckt, weil von allem zu wenig da war. Allerdings hat man solche Brote auch schon in tausend Jahre alten östergöthlandischen Gräbern gefunden. Damals aus Ackererbsen und Fichtenrinde hergestellt. Ganz abwegig ist es auch heute nicht die Nährrinde der Kiefer zur Nahrungsergänzung zu nutzen. Sie ist nämlich reich an Eisen, Zink, Mangan, Kalzium sowie Vitamin C, B1 und B2 und stärkt durch Bioflavonoide das Immunsystem.

Die dünne Schicht (Bast) unter der obersten Baumrinde (Borke) lässt sich am leichtesten Anfang Juni ablösen. Natürlich nur so viel, dass der Baum keinen Schaden nimmt und weiter überleben kann. Ulrika nutzt in der Regel die Rinde von Bäumen, die ohnehin gefällt werden müssen. Die abgelöste Borke wird im Backofen getrocknet, damit sie anschließend gemahlen werden kann. Das Borkenmehl quillt sehr stark auf und hat kein Gluten, deswegen sollte der verwendete Anteil in Brot oder auch anderen Gebäcken nicht zu groß sein. Ein Viertel der Mehlmenge kann man gut damit ersetzen. Wir fanden den Geschmack sehr besonders. Man würde denken, er wäre vielleicht harzig, herb, sogar etwas bitter. Aber die Nährrinde transportiert neben Vitaminen auch Zucker im Baum und deswegen hat das Mehl eine leicht süßliche, würzige Note. Das barkbröd mitten im Wald zu backen war ein tolles Erlebnis! Einfach gemeinsam ums Feuer zu sitzen, die Fladen mit etwas Butter zu bestreichen und das Lichtspiel durch die Baumkronen zu genießen. Herrlich!

 

Wusstet ihr, dass es in Japan ein eigenes Wort gibt für das Licht, das durch Blätter fällt? Komorebi. Kennengelernt haben wir diesen Begriff durch die in Japan lebende Floristin Gabriele Kubo. Mit ihrem Projekt „Artist in Nature“ geben Ulrika und Håkan Künstlern die Möglichkeit in ihrem Wald zu leben, um etwas zu erschaffen, dass die Philosophie und das Gefühl von Urnatur widerspiegelt. Gabriele wurde als diesjährige Künstlerin ausgewählt und entschied sich dafür einen Ort im Wald zu schaffen, an dem man sich treffen, die Umgebung genießen und einfach sein kann. Ihr Objekt ist ein bepflanzter Tisch in japanischer Höhe, an dem man auf Augenhöhe mit den Pflanzen des Waldes sitzen kann. Sie hat unzählige Arten an Moosen und Pflanzen, die sie alle im Wald gefunden hat, in dem Tisch verarbeitet. Das Innere des Tischs besteht aus Erde, so dass alle Pflanzen weiter wachsen können und sich der Tisch mit der Zeit verändern kann, zu einem lebendigen Objekt werden soll. Die Stelle im Wald hat die Künstlerin so ausgewählt, dass der Tisch im Sommer ab 12:30 Uhr in ein wahres Lichtspektakel gehüllt ist. Dann bricht die Sonne durch die Blätter der Bäume und tanzt durch Moose und Farne auf ihrem Waldtisch. Es ist wunderschön. Die Mooskissen sind so bequem, dass man den ganzen Tag dort verbringen und tausend Dinge entdecken kann. Wir freuen uns, dass wir bei der Einweihung dabei sein konnten.

 

Über unseren Besuch bei Urnatur gibt es noch so vieles mehr zu erzählen, dass wir uns diesmal dazu entschieden haben, den Beitrag aufzuteilen um euch in einem weiteren Post noch mehr von unseren Abendteuern und Erlebnissen in Schweden berichten zu können.

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