Wir waren dieses Jahr ziemlich oft in Mecklenburg. Das Schöne daran ist gar nicht mal die Ruhe, das Runterkommen, sondern die tolle Gemeinschaft, die wir dort erleben. In Rensow ist man nicht alleine im Nirgendwo. Drumherum versammeln sich Menschen, die dieses Fleckchen zwischen der Mecklenburger Seenplatte und der Ostseeküste mit ihren Ideen bereichern.

Jeder hilft jedem, oft sitzt man bei einem Glas Wein zusammen und überlegt, was man als nächstes Projekt starten könnte. Wir sind jedes Mal aufs Neue wahnsinnig inspiriert. Deswegen haben wir uns auch direkt wieder auf den Weg gemacht, als Knut uns vorschlug, dass wir im Gutshaus Rensow ein weihnachtliches Abendessen kochen könnten.

Für Knut und Christina ist das Routine, denn sie kochen jeden Mittwoch für 20 bis 30 Gäste und wir waren auch schon mehrmals dabei um die Kochlöffel zu schwingen. Passend zum Gutshaus gibt es neben allerlei Gemüse und Salaten meist einen Braten, das Herzstück der Tafel, das vom Gastgeber oder einem besonderen Gast angeschnitten wird. Als Vegetarier war diese Tradition gar nicht in unserem Bewusstsein und deswegen fanden wir Knuts Vorschlag sie ins vegetarische zu übertragen wahnsinnig toll. Seine Idee war ein gefüllter Wirsing. Gemeinsam haben wir uns dann überlegt, wie wir ihn am besten füllen und zubereiten könnten. Geraspeltes Gemüse, Hülsenfrüchte, Kerne, Nüsse, es gibt ja so viele Möglichkeiten! Was am Ende in den Kohl gewandert ist, verraten wir euch hier im Rezept. Aber nicht nur ein besonderes Herzstück wollten wir zubereiten, auch eine leckere Beilage sollte auf den Tisch. Eben das traditionelle drei Komponenten Essen mit einem Hauptstück, Beilage und Sauce.

Sowohl passend zum Gutshaus, als auch zur Weihnachtszeit, wollten wir zum Wirsing noch eine mit Champignons gefüllte Kartoffelrolle und eine kräftige Portweinsauce servieren.

Die Ideen standen also, soweit so gut. Wäre nicht gerade in der Zeit der Gastank bis auf den letzten Tropfen leer gewesen und damit nicht nur die Heizung kalt, sondern auch der Gasherd. Auf einzelnen Kochplatten und in drei verschiedenen Räumen, in dem weitläufigen Gutshaus verteilt, haben wir also gekocht. In einer der Ferienwohnungen im oberen Stockwert schwammen die Kartoffelrollen im köchelnden Wasser, in einer anderen kleinen Küche schwitzten die Kohlköpfe im Ofen, und um jede Hitzequelle auszunutzen, waren auch auf den Holzöfen Töpfe verteilt. Die Sauce sollte schließlich lange einkochen. Und auch sonst kam viel Kleinkram zusammen. Alles warm auf den Tisch zu bringen war eine ziemliche Herausforderung und genau das lieben wir so sehr an unseren Abstechern aufs Land. Man lernt immer dazu, wird vor Herausforderungen gestellt und wächst mit seinen Aufgaben. Wenn dann alle an der langen Tafel sitzen, mit einem Lächeln im Gesicht, das von den flackernden Kerzen in ein warmes Licht getaucht ist, jeder seinen Teller leer putzt, dann sind wir glücklich.

Zu Hause haben wir das ganze Gericht noch einmal unter „normalen“ Bedingungen nachgekocht und die Rezepte für euch aufgeschrieben. Es ist ein perfektes Hauptgericht für das Weihnachtsfest, lässt sich aber auch in den einzelnen Komponenten ganz unterschiedlich mit weiteren Speisen zusammenstellen um ein buntes Buffet für einen festlich gedeckten Tisch zuzubereiten. Hier findet ihr den gefüllten Wirsing, die Kartoffelrolle und die Portweinsauce.

Anfang Oktober haben wir für den zweiten Rustic & Raw Workshop die Koffer gepackt. Vielleicht habt ihr unseren Bericht über den ersten gelesen? Dann wisst ihr, dass es für uns ein ganz besonderes Erlebnis war. Wir haben lange überlegt, ob es überhaupt möglich wäre, daran anzuknüpfen. Alles hatte perfekt gepasst. Die Gruppe war unglaublich harmonisch. Wie wäre es mit anderen Menschen? Würden wir es noch einmal schaffen so eine besondere Atmosphäre zu kreieren? Wir sind Perfektionisten. Das ist es auf der einen Seite, was uns antreibt, auf der anderen macht es uns manchmal auch wahnsinnig. Völlig umsonst, wie sich mal wieder herausstellte.

Aus ganz Deutschland und sogar der Schweiz hat sich unsere Gruppe zusammengefunden. Bunt gemischt und trotzdem verbunden durch die Liebe zum Kochen und zur Fotografie. Das Eis war innerhalb von Sekunden gebrochen und wieder hatten wir von Beginn an das Gefühl mit Freunden zusammen zu sein.

Im frühen Herbst war es schon an der Zeit jeden Tag die Öfen anzuheizen, drinnen auf der alten Küchenhexe zu kochen und den Regentropfen auf den Fensterscheiben zu lauschen. Die „Alte Schule“ strahlt in der kälteren Jahreszeit eine wunderbare Gemütlichkeit aus. Perfekt um einfach gemeinsam zu kochen, zu quatschen und die Auszeit vom Alltag zu genießen. Morgens wurde lange gefrühstückt, dann ging es auch schon direkt an die Zubereitung des Mittagessens.

Maronen-Steinpilz-Ravioli mit Salbei und Pinienkernen oder Kartoffelwaffeln mit Kürbis landeten auf den Tellern. An einem Abend hatte sich der Regen dann auch einmal gelegt und wir konnten auf dem offenen Feuer einen Linsen-Kartoffelsalat mit allerhand Herbstgemüse zubereiten.

Bei alldem durfte die Kamera natürlich nie fehlen! Wir lieben es, wenn unsere Fotos natürlich entstehen und wir nicht erst etwas inszenieren müssen. Ganz klar: wir suchen uns immer einen schönen Untergrund, den passenden Teller und den Platz mit dem besten Licht aus um unser Essen zu fotografieren. Aber in diesem Haus kann man jedes Teil in die Hand nehmen, kann es überall platzieren und bekommt ein tolles Ergebnis. Deswegen lieben wir es dort zu sein. Wenn man von seiner Umgebung inspiriert ist, kommen automatisch die Bilder in den Kopf und man weiß ganz genau, was zu tun ist. So geht es uns immer und genau das macht den Workshop auch für unsere Teilnehmer so besonders. Der Begeisterung für jedes noch so kleine Detail dort kann man sich einfach nicht entziehen.

Den Rest erzählen wir lieber in Bildern. Wenn ihr mehr darüber erfahren möchtet, wie unsere Workshops aufgebaut sind, welche Themenschwerpunkte wir besprechen oder wann es neue Termine gibt, könnt ihr euch hier, hier oder hier informieren.

Vor einigen Wochen waren wir für unseren zweiten Rustic & Raw Workshop wieder in Rensow und konnten es uns nicht nehmen lassen danach auf Gretes Hof vorbei zu schauen. Ganz gespannt haben wir alle Felder und Gewächshäuser inspiziert, um zu schauen, was sich in der Zwischenzeit getan hatte. Aber natürlich waren wir nicht nur zum Gucken, sondern auch zum Anpacken da.

Nach tagelangem Regen bekommt die romantische Vorstellung von einem Bauernhof kleine Risse. Denn die Arbeit muss natürlich auch im Regen erledigt und das Gemüse trotzdem geerntet werden. Mit eingeweichten und kalten Fingern Bohnen zu pflücken, ist keine besonders schöne Beschäftigung, das müssen wir zugeben. Vor allem dann nicht, wenn die Bohnen nicht einmal zum Essen sind, sondern zur Saatgutgewinnung getrocknet werden müssen. Aber all das gehört mit dazu. Sowie es im Sommer dazu gehörte auf dem Boden robbend Unkraut zu jäten, robbten wir im Herbst durch den Matsch um eine besondere, winterfeste Zwiebelsorte zu stecken, die bereits im Frühjahr geerntet werden kann. Aber nicht nur zur Saatgutgewinnung stand immer noch einiges auf dem Acker. Es wanderte jede Menge Rote Bete in die Kisten, Fenchel, Rüben, Salate und die schönsten Kürbisse, von denen wir uns direkt ein paar eingepackt haben, um sie abends zu essen.

Einmal mehr waren wir fasziniert von der Schönheit dieses Gemüses. Ganz anders als die genormte Massenware aus dem Supermarkt hat Gretes Gemüse Charakter und wahnsinnig viel Geschmack. Mit der Produktion von ihren wunderbaren alten und samenfesten Sorten trägt Grete dazu bei die Biodiversität, die Vielfalt auf den Feldern, zu erhalten. Wir hatten ja schon erzählt, dass sie alleine 60 Tomatensorten anbaut! Gerade diese haben wir das Jahr über schon fast in ihrem ganzen Zyklus begleitet. Vom Pikieren im Frühling, zum Ernten im Sommer, bis zur Samengewinnung im Herbst bei diesem Besuch. Sie sind uns richtig ans Herz gewachsen und immer wenn wir eine bekannte Sorte entdecken, erscheint wie von selbst ein Lächeln auf unseren Gesichtern.

Mit den Kürbissen wollten wir ein bisschen experimentieren. Also ab ins Feuer mit ihnen, um sie im Ganzen in der Glut zu garen und das weiche Fleisch anschließend aus den schwarzen Schalen zu lösen. Dazu gab es Salbeibutter und Sonnenblumenkerne. Als dann doch noch einmal die schon tief stehende Sonne zum Vorschein kam, war der Abend perfekt. Umgeben von alten Mauern und von duftenden Kräutern im Garten von Knut und Christinas Siedlerhaus in Rensow.

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