Heute möchten wir nicht nur eine neue Kategorie auf unserem Blog, sondern auch ein ganz neues Kapitel in unserem Leben starten.

So sehr wir die Vorteile der Großstadt auch schätzen, unser Wunsch nach einem ursprünglichen, naturverbundenen und bewussten Leben ist in den letzten Jahren enorm gewachsen. Es zieht uns immer wieder und immer öfter raus aus Berlin. Auch wenn wir seit Jahren versuchen, uns einen Teil dieses Wunsches in der Stadt zu erfüllen, zum Beispiel durch einen üppig bepflanzten Balkon, kann das selbstverständlich nie an ein Leben in der Natur heranreichen.

Die Konsequenz für uns ist ein Rückzugsort, fernab des ganzen Trubels: ein Siedlerhaus in Mecklenburg. Das 1948 gebaute Haus, von Feldern umgeben, steht nebst einer Scheune auf einem mehr als 3000 Quadratmeter großen Grundstück, auf dem Kirsch-, Apfel-, Pflaumen- und Birnbäume wachsen, und das darauf wartet, von uns bewirtschaftet zu werden. Da das Landleben nicht immer so romantisch ist, wie man es sich hier und da vorstellt, sondern einen arbeitsintensiven Alltag mit sich bringt, sind wir gespannt, was diese Umstellung in uns bewirken wird.

Wir wissen, dass wir jedes Mal, wenn wir mehrere Wochen in der Natur unterwegs sind, ein Stück weit zu uns selbst finden und erfahren, wie erdend ganz gewöhnliche Dinge wie Holzhacken und Feuermachen sein können.

Der Mensch strebt nach immer Höherem, nach neuen Herausforderungen, möchte etwas vollbringen, um seinem Leben Sinn zu geben, und vergisst dabei die Wertschätzung der Einfachheit.

Ist der Sinn des Lebens nicht einfach der, zu leben? Hier und jetzt. Müssen wir uns wirklich in dieser Welt verewigen? Rennen wir damit nicht einer fixen Idee hinterher, die uns blind macht für die wirklich wichtigen Dinge?

Masanobu Fukuoka schrieb in seinem Buch Der große Weg hat kein Tor: „Im gleichen Maße, wie Menschen sich von der Natur lösen, entfernen sie sich immer weiter von ihrem eigenen Mittelpunkt.“ Wir möchten zu diesem Mittelpunkt zurückfinden. Möchten die Musik der Natur wahrnehmen können, das Rascheln der Blätter, das Rauschen des Windes. Unter den Fingern die Erde spüren, aus der Leben in Form von Obst und Gemüse wächst.

Wie oft haben wir uns den Kopf darüber zerbrochen, was eine saisonale und regionale Ernährung eigentlich genau für uns bedeutet. Am wichtigsten war uns dabei schon immer, der Natur nahe zu sein, indem wir mit den Jahreszeiten kochen. Dies aus dem eigenen Garten heraus zu können ist schon lange ein großer Traum. Allein die Bepflanzung unseres Balkons hat unsere Wertschätzung für Lebensmittel verändert. Das Verständnis für den Aufwand, die Arbeit und vor allem das Wissen, welches nötig ist, um aus einem Samenkorn eine nahrhafte Frucht zu erzeugen. All das beschäftigt uns schon lange und soll ab jetzt auch einen Platz auf unserem Blog finden. Wir möchten euch von unserem Gartenalltag erzählen und euch an den Gedanken und Erlebnissen rund um unser Siedlerhaus teilhaben lassen. Wir hoffen, ihr habt Lust, uns bei diesem Abenteuer zu begleiten.

Wir waren dieses Jahr ziemlich oft in Mecklenburg. Das Schöne daran ist gar nicht mal die Ruhe, das Runterkommen, sondern die tolle Gemeinschaft, die wir dort erleben. In Rensow ist man nicht alleine im Nirgendwo. Drumherum versammeln sich Menschen, die dieses Fleckchen zwischen der Mecklenburger Seenplatte und der Ostseeküste mit ihren Ideen bereichern.

Jeder hilft jedem, oft sitzt man bei einem Glas Wein zusammen und überlegt, was man als nächstes Projekt starten könnte. Wir sind jedes Mal aufs Neue wahnsinnig inspiriert. Deswegen haben wir uns auch direkt wieder auf den Weg gemacht, als Knut uns vorschlug, dass wir im Gutshaus Rensow ein weihnachtliches Abendessen kochen könnten.

Für Knut und Christina ist das Routine, denn sie kochen jeden Mittwoch für 20 bis 30 Gäste und wir waren auch schon mehrmals dabei um die Kochlöffel zu schwingen. Passend zum Gutshaus gibt es neben allerlei Gemüse und Salaten meist einen Braten, das Herzstück der Tafel, das vom Gastgeber oder einem besonderen Gast angeschnitten wird. Als Vegetarier war diese Tradition gar nicht in unserem Bewusstsein und deswegen fanden wir Knuts Vorschlag sie ins vegetarische zu übertragen wahnsinnig toll. Seine Idee war ein gefüllter Wirsing. Gemeinsam haben wir uns dann überlegt, wie wir ihn am besten füllen und zubereiten könnten. Geraspeltes Gemüse, Hülsenfrüchte, Kerne, Nüsse, es gibt ja so viele Möglichkeiten! Was am Ende in den Kohl gewandert ist, verraten wir euch hier im Rezept. Aber nicht nur ein besonderes Herzstück wollten wir zubereiten, auch eine leckere Beilage sollte auf den Tisch. Eben das traditionelle drei Komponenten Essen mit einem Hauptstück, Beilage und Sauce.

Sowohl passend zum Gutshaus, als auch zur Weihnachtszeit, wollten wir zum Wirsing noch eine mit Champignons gefüllte Kartoffelrolle und eine kräftige Portweinsauce servieren.

Die Ideen standen also, soweit so gut. Wäre nicht gerade in der Zeit der Gastank bis auf den letzten Tropfen leer gewesen und damit nicht nur die Heizung kalt, sondern auch der Gasherd. Auf einzelnen Kochplatten und in drei verschiedenen Räumen, in dem weitläufigen Gutshaus verteilt, haben wir also gekocht. In einer der Ferienwohnungen im oberen Stockwert schwammen die Kartoffelrollen im köchelnden Wasser, in einer anderen kleinen Küche schwitzten die Kohlköpfe im Ofen, und um jede Hitzequelle auszunutzen, waren auch auf den Holzöfen Töpfe verteilt. Die Sauce sollte schließlich lange einkochen. Und auch sonst kam viel Kleinkram zusammen. Alles warm auf den Tisch zu bringen war eine ziemliche Herausforderung und genau das lieben wir so sehr an unseren Abstechern aufs Land. Man lernt immer dazu, wird vor Herausforderungen gestellt und wächst mit seinen Aufgaben. Wenn dann alle an der langen Tafel sitzen, mit einem Lächeln im Gesicht, das von den flackernden Kerzen in ein warmes Licht getaucht ist, jeder seinen Teller leer putzt, dann sind wir glücklich.

Zu Hause haben wir das ganze Gericht noch einmal unter „normalen“ Bedingungen nachgekocht und die Rezepte für euch aufgeschrieben. Es ist ein perfektes Hauptgericht für das Weihnachtsfest, lässt sich aber auch in den einzelnen Komponenten ganz unterschiedlich mit weiteren Speisen zusammenstellen um ein buntes Buffet für einen festlich gedeckten Tisch zuzubereiten. Hier findet ihr den gefüllten Wirsing, die Kartoffelrolle und die Portweinsauce.

Anfang Oktober haben wir für den zweiten Rustic & Raw Workshop die Koffer gepackt. Vielleicht habt ihr unseren Bericht über den ersten gelesen? Dann wisst ihr, dass es für uns ein ganz besonderes Erlebnis war. Wir haben lange überlegt, ob es überhaupt möglich wäre, daran anzuknüpfen. Alles hatte perfekt gepasst. Die Gruppe war unglaublich harmonisch. Wie wäre es mit anderen Menschen? Würden wir es noch einmal schaffen so eine besondere Atmosphäre zu kreieren? Wir sind Perfektionisten. Das ist es auf der einen Seite, was uns antreibt, auf der anderen macht es uns manchmal auch wahnsinnig. Völlig umsonst, wie sich mal wieder herausstellte.

Aus ganz Deutschland und sogar der Schweiz hat sich unsere Gruppe zusammengefunden. Bunt gemischt und trotzdem verbunden durch die Liebe zum Kochen und zur Fotografie. Das Eis war innerhalb von Sekunden gebrochen und wieder hatten wir von Beginn an das Gefühl mit Freunden zusammen zu sein.

Im frühen Herbst war es schon an der Zeit jeden Tag die Öfen anzuheizen, drinnen auf der alten Küchenhexe zu kochen und den Regentropfen auf den Fensterscheiben zu lauschen. Die „Alte Schule“ strahlt in der kälteren Jahreszeit eine wunderbare Gemütlichkeit aus. Perfekt um einfach gemeinsam zu kochen, zu quatschen und die Auszeit vom Alltag zu genießen. Morgens wurde lange gefrühstückt, dann ging es auch schon direkt an die Zubereitung des Mittagessens.

Maronen-Steinpilz-Ravioli mit Salbei und Pinienkernen oder Kartoffelwaffeln mit Kürbis landeten auf den Tellern. An einem Abend hatte sich der Regen dann auch einmal gelegt und wir konnten auf dem offenen Feuer einen Linsen-Kartoffelsalat mit allerhand Herbstgemüse zubereiten.

Bei alldem durfte die Kamera natürlich nie fehlen! Wir lieben es, wenn unsere Fotos natürlich entstehen und wir nicht erst etwas inszenieren müssen. Ganz klar: wir suchen uns immer einen schönen Untergrund, den passenden Teller und den Platz mit dem besten Licht aus um unser Essen zu fotografieren. Aber in diesem Haus kann man jedes Teil in die Hand nehmen, kann es überall platzieren und bekommt ein tolles Ergebnis. Deswegen lieben wir es dort zu sein. Wenn man von seiner Umgebung inspiriert ist, kommen automatisch die Bilder in den Kopf und man weiß ganz genau, was zu tun ist. So geht es uns immer und genau das macht den Workshop auch für unsere Teilnehmer so besonders. Der Begeisterung für jedes noch so kleine Detail dort kann man sich einfach nicht entziehen.

Den Rest erzählen wir lieber in Bildern. Wenn ihr mehr darüber erfahren möchtet, wie unsere Workshops aufgebaut sind, welche Themenschwerpunkte wir besprechen oder wann es neue Termine gibt, könnt ihr euch hier, hier oder hier informieren.

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