Wir fotografieren, weil Worte uns oft schwer fallen. Gedanken, die nicht greifbar sind, in Buchstaben zu verpacken, ist nicht gerade unsere Stärke. Zu beschreiben, was wir in den vergangenen Monaten erlebt haben, ist nahezu unmöglich aber dennoch einen Versuch wert. 

Viele von euch verfolgen unser Großprojekt, das Siedlerhaus, schon von Beginn an mit. Das positive Feedback hat uns wahnsinnig motiviert und uns immer wieder das Gefühl gegeben, genau das Richtige zu tun. Auch wenn wir oftmals an unsere Grenzen gestoßen sind. 

Wir wurden immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt. Mussten uns handwerkliche Kniffe und Techniken aneignen. Yannic hat zum Beispiel mit großer Begeisterung im Selbstversuch gelernt, Wände mit Lehm zu verputzen. Im Grunde haben wir uns per „Learning by doing“ immer wieder in neue Abenteuer gestürzt und Probleme bewältigt.

Über die Substanz des Hauses haben wir bereits geschrieben. Und darüber, wie wir die alten Strukturen erhalten und wieder hervorheben wollten.

Jeder Pinselstrich war also wohl überlegt, um nicht etwas zu zerstören, was nicht zurückzuholen wäre. Aber all das bildet nur das Grundgerüst, die Leinwand.

Bei den vielen Details, in denen wir uns selbst wiederfinden wollten, war es nicht immer einfach, unsere Vorstellungen in die Tat umzusetzen. Die größte Herausforderung war es, das Haus mit besonderen Wohnobjekten zum Leben zu erwecken. Wir mögen den Ausdruck Objekte, weil jedes einzelne Möbelstück eine Geschichte erzählt und eine besondere Bedeutung für uns hat.

Wir sind absolut detailverliebt und hatten oft bereits klare Vorstellungen, wo die Reise hingehen soll. So war eine enorme Recherchearbeit nötig, um die passenden Dinge für unser Haus zu finden. Tagelang sind wir in die Weiten des Internets abgetaucht um beispielsweise bestimmte Lichtschalter, Schellen, Schrauben, die handgeformten Fliesen fürs Badezimmer oder auch die Drückerplatte aus Messing für die Toilette zu finden. Aber am Ende fügte sich alles wunderbar zusammen.

Julia und Vincent von J&V Finest Industrial Vintage Furniture* halfen uns bei der Suche nach einigen ausgewählten Möbeln. Von ihnen haben wir unseren großen Esstisch, einen alten Werktisch mit hundert Jahre alten Holzbalken als Tischplatte. Sowie die vielen Stühle und Hocker, die Midgard Gelenklampen in der Küche und einen Schubladenschrank. Die schönen dänischen Morsø Öfen und LBL Werkstattlampen haben wir von Christina und Knut*, den Vorbesitzern unseres Hauses, übernommen. Auch die Stahl-Türklinken hat Knut aus seinem Fundus aus Kuriositäten und Antiquitäten für uns hervorgezaubert.

Der Großteil der Möbel wurde aber, wie auch unsere komplette Küche, nach unseren Vorstellungen für uns angefertigt. Wir wünschten uns individuelle Möbel, denen etwas lebendiges, beseeltes innewohnt. Durch die Auswahl der Materialien, das Design, die Platzierung im Haus, die Wirkung von Licht und Schatten. Bei der Umsetzung hat uns unser Freund Jörg Schlinke nicht nur tatkräftig, sondern auch mit großartigen Visionen unterstützt. Als Künstler, handwerklich mehr als begabter Mensch und vor allem jemand, der genau versteht, was wir uns wünschen und was zum Haus passt, war er genau der Richtige für dieses Projekt. Wie wir liebt auch er Werkstoffe mit Gebrauchsspuren, an denen die Zeit schon ihre Spuren hinterlassen hat. Holz, durch Regen, Wind und Sonne verwittert, Stahl mit Mustern wie gemalt. Aus diesen Materialien sollten die Möbel gebaut werden und wir sind unglaublich dankbar, dass Jörg sich dafür von einigen seiner Schätze getrennt oder wiederum andere für uns ausfindig gemacht hat. Ob Jahrhunderte alte Dielen oder Eichenbalken und Stahlprofile, welche er ein paar Jahre draußen gelagert hatte.

Sofa, Bank, Regal, Bett. Solche alltäglichen Begriffe werden nicht dem gerecht, was diese Objekte für uns bedeuten. Wenn das Licht darauf fällt, die Schatten sich verlängern, wirken sie für uns wie Kunstwerke.

Die Wohnräume haben wir gezielt einfach und reduziert gestaltet. So kommen die Möbelobjekte besonders gut zur Geltung. Mit sanften, natürlichen Farben, Leinenstoffen und vor allem Leerräumen. Es dreht sich in unserem Haus alles um Texturen, Oberflächen und Strukturen. Die Kalkfarben von Bauwerk Colour* sind die optimale Grundlage um Wände lebendig zu gestalten, indem die Farben nichts gleichförmig überdecken, sondern bestehende Strukturen erhalten. Die Leinenstoffe von KnockKnockLinen* fügen sich mit den schönen Farben und Details wunderbar in das Interieur des Hauses ein. Als Vorhänge, Bettwäsche, Servietten.

 

Aber abgesehen von den veränderbaren Dingen, hat den größten Einfluss auf das Haus nach wie vor das immer dagewesene. Das Licht. Jeder Raum ändert seine Stimmung und Wirkung mehrmals im Laufe des Tages. Wenn am Morgen die ersten Lichtstrahlen hereinfallen, durch die wehenden Zweige wunderbare Lichtspiele entstehen und am Abend das warme Sonnenlicht über die Wände zieht. Mit den Jahreszeiten ändert sich der Einfallswinkel des Lichtes, der Sonne, und so wandeln sich die tanzenden Lichtflecken das ganze Jahr über und lassen neue Blickwinkel auf die Räume zu. Dies täglich zu erleben ist so wunderbar. Ein Haus, das uns permanent inspiriert. Uns einen gemütlichen Platz zum Wohnen und gleichzeitig eine Art lebendes Fotostudio bietet.

Einen ausführlichen Einblick in unsere Küche haben wir schon in einem anderen Artikel veröffentlicht. Wer diesen verpasst hat, kommt hier zum Küchen-Blogpost.

 

Diese Fotos anzusehen macht uns so glücklich, denn wir erkennen uns in jedem kleinen Detail wieder. Es macht uns ganz schön stolz zu sehen, was wir in den letzten Monaten in unserem Haus, aber auch mit unserem Garten und dem Gewächshaus alles geschafft haben. Aber an Ausruhen ist nicht zu denken. Wir haben bereits Pläne, wie es in den nächsten Jahren mit Haus und Garten weitergehen soll.

Erntedank. In Zeiten, in denen jedes Obst und Gemüse zu jeder Jahreszeit schön poliert in der perfekt beleuchteten Auslage der Supermärkte zu haben ist, hat dieses Fest wohl an Bedeutung verloren. Für uns hat es in diesem Jahr mehr Wichtigkeit denn je. Denn nach all der Arbeit, sind wir mehr als Dankbar für das, was uns die Natur geschenkt hat. Immer wieder haben wir schon von unserem Garten erzählt. Sei es über die ersten Ideen im Frühjahr, unser Gewächshaus, die Kirschernte, Zucchinischwemme oder unsere üppige Apfelausbeute. Wir haben in unserem ersten Gartenjahr wahnsinnig viel gelernt. Neben der Bewirtschaftung selbst war diese Erfahrung vor allem für uns persönlich bereichernd und davon möchten wir euch ein wenig erzählen.

In den vergangen Monaten haben wir vor allem gelernt wie zufriedenstellend es sein kann, sich selbst seine Lebensgrundlage zu schaffen. Nicht vorrangig für Geld zu arbeiten, sondern die Arbeitskraft unmittelbar in die Produktion von Lebensmitteln zu stecken. In Gemüse, das man vom Saatkorn groß gezogen hat – die ersten Blättchen, die aus der Erde sprießen, das Einpflanzen in den eigenen Grund und Boden, die Pflege, das Wachstum, Fruchtbildung, Ernte, Zubereitung. Eine saisonale Ernährung ist uns schon seit vielen Jahren wichtig aber den ganzen Prozess nun selbst zu erleben, ist noch einmal eine andere Nummer, als auf dem Wochenmarkt bei regionalen Bauern einzukaufen. Nicht nur die Erfahrung des Anbaus an sich hat uns sehr bereichert. Auch hautnah mitzuerleben, was Klimaveränderungen für die Bauern um uns herum bedeuten, war extrem spannend. Während wir die Möglichkeit hatten unsere etwa 95qm große Nutzfläche zu bewässern, verdorrten anderswo die Felder. Diesem heißen und trockenen Sommer ging ein komplett durchregnetes Jahr voraus. In der Landwirtschaft kann man sich nicht auf eine Kontinuität des Wetters verlassen, sondern muss mit der Natur leben und sich ihr anpassen.

Was für den einen große Ernteausfälle bedeutet, bringt dem nächsten, wie in diesem Jahr, prall gefüllte Obstbäume und Rekordernten. Die ganze Existenz ist abhängig von einer unbeeinflussbaren Kraft. Das alles sollte man sich, neben dem Aufwand den es bedeutet Gemüse groß zu ziehen, als Konsument bewusst machen. 

Für uns ist jedes Fitzelchen Gemüseschale, Stiel und Stängel umso wertvoller geworden. Denn all das landet, wenn es nicht verarbeitet wird, bei uns auf dem Komposthaufen und verrottet zu wertvollem Humus, den wir für die nächste Gartensaison wieder in den Boden einbringen, um ihm die wichtigen Nährstoffe zurückzugeben, die er in unsere Pflanzen gesteckt hat.

Hier auf dem Land leben wir aber nicht nur direkter mit der Natur, auch unsere Art zu kochen hat sich verändert. Noch vor wenigen Jahren dachten wir, es braucht Gewürze, ausgefallene Zutaten und aufwändige Rezepte, um besondere Gerichte zu kreieren. Davon distanzieren wir uns schon eine Weile aber seit diesem Jahr umso mehr. Wenn man so viel Energie in die Erzeugung eines Gemüses steckt, ist das Ziel beim Kochen den natürlichen Geschmack zu erhalten oder mit nur wenigen Zutaten zu verstärken. Obst und Gemüse muss nicht erst zu etwas Wohlschmeckendem gemacht werden, denn das hat die Natur schon für uns erledigt. Dafür muss man sich aber auch auf den Geschmack der Natur einlassen. Auf dem Feuer zubereitet, nur mit wenig Salz abgeschmeckt. Dazu Hülsenfrüchte und Nüsse, mal mit Essig, Öl, Senf oder Kräutern verfeinert. Mehr braucht es eigentlich nicht für eine ausgewogene, gesunde und schmackhafte Kost. Wie schön ist es doch, dafür ganz spontan in den Garten zu gehen und einfach zu pflücken, wonach uns gerade ist. Wonach unser Körper gerade verlangt.

Über den Weg zum eigenen Gemüse, unseren Prozess, möchten wir euch auch ein wenig berichten. 

Fangen wir noch einmal ganz von vorne an. Im Februar ging es los mit der Anzucht der Jungpflanzen. Alle unsere Pflanzen haben wir vom Saatkorn, aus samenfestem Bio-Saatgut, aufgezogen, sie Wochenlang gehegt und gepflegt, bis sie dann endlich in den Boden konnten. Sieben verschiedene Sorten Kartoffeln, Rot-, Weiß- und Grünkohl, Radieschen, Erbsen, Fenchel, Brokkoli, Rote Bete, Rettich, neun Sorten Tomaten, Auberginen, Artischocken, Gurken, Chili, Paprika, Bohnen, Zucchini, Kürbis, Lauch, Rosenkohl, Knoblauch, Zwiebeln, Salate, Kohlrabi, Blumenkohl, Wirsing, und Meerrettich. Das alles natürlich nicht willkürlich verstreut und zeitgleich, sondern anhand eines Aussaatkalenders, den wir auf Grundlage unseres Saatgutes zusammengestellt hatten. 

Der Ursprüngliche Plan war es, jedes Gemüse dort anzupflanzen, wo es die besten Vorraussetzungen vorfindet. Waldbeeren an einem schattigeren Platz mit saurerem Boden, Sonnenliebhaber an der Südseite des Hauses um möglichst viel reflektierendes Licht und Wärme abzufangen usw. Schnell merkten wir dann aber, wie schwierig diese Art des Anbaus sein kann, wenn man bei Null anfängt. Wir entschieden uns dann ein großes Hauptbeet mit Wegen als Bauerngarten anzulegen. 

Die Pflanzen kamen in Mischkultur in die Erde. Dabei achteten wir natürlich darauf, dass nur Sorten, die sich gut vertragen, nebeneinander gesetzt wurden. Zwischen dem Gemüse bestückten wir die Beete mit Kräutern und essbaren Blumen wie Ringelblume, Tagetes, Kapuzinerkresse und Borretsch. Den Boden mulchten wir mit einer dicken Schicht Stroh bzw. frischem Grasschnitt, damit das Wasser durch langsamere Verdunstung länger gespeichert werden kann. Außerdem zersetzt sich diese Schicht mit der Zeit und gibt Nährstoffe an den Boden ab. Gedüngt haben wir kein einziges Mal. Abgesehen vom Gießen, ein bis zweimal pro Woche, in den Hitzeperioden maximal dreimal und einmaligem Unkraut-Zupfen während der ganzen Saison, hatten wir wenig Arbeit mit der Pflege. Die Wühlmäuse und Maulwürfe haben uns zwar zur Weißglut gebracht, mit ihrem Aus- und Umgraben der Pflanzen, aber neben den wenigen unbeliebten Gästen im Garten, konnten wir uns über viele Nützlinge freuen. Igel wohnen in einem Wall aus Ästen, Unmengen kleiner Frösche springen auf unserem Grundstück herum. Bienen, Fledermäuse, Marienkäfer und eine Vielzahl an Vögeln tummeln sich im Garten. Es summt, singt und quakt in jeder Ecke. Die Tiere fühlen sich wohl in unserem kleinen Paradies und helfen bei der Gartenarbeit indem sie Blattläuse, Schnecken und andere Schädlinge vertilgen. Dank des gesunden Ökosystems konnten wir eine Menge ernten.

Ganz genau dokumentiert haben wir den Ertrag leider nicht. Für euch und auch aus reiner Neugier, haben wir unsere Ernte zumindest teilweise notiert: aus den 7 Sorten à 5 Kartoffeln wurden insgesamt 24 Kilogramm. Einige der Sorten waren sehr erfolgreich, wie Sieglinde mit 5 Kilogramm und Ackersegen mit 5,5 Kilogramm, andere fielen weniger üppig aus. Aber es kommt ja nicht nur auf die Menge an, sondern vor allem auf den Geschmack! Die Bamberger Hörnchen, die nur etwa 2 Kilo Ernte einbrachten, werden wir nächstes Jahr dennoch wieder anbauen. Heiderot, Mayan Gold, Schwarze Russische und Violetta wurden auch von den Wühlmäusen sehr geliebt, da müssen wir uns wohl etwas einfallen lassen oder eben weiterhin teilen.

Unsere Zucchini…dazu kann man kaum etwas sagen. Wir haben schnell aufgehört sie zu zählen, aber es waren im Schnitt 6-8 Stück pro Woche ab Juli bis Anfang Oktober. Gurken konnten wir ab Juli ca. 5 Stück pro Woche ernten, Kürbisse waren es bisher 21 Stück, Tomaten 27 Kilogramm, Tendenz steigend. 8 Kohlrabi, 20 Knollensellerie, jeweils 7 Weiß- und Rotkohle, ebenfalls 7 Wirsingköpfe, 20 Rote Bete, 10 Stangen Lauch, 15 Fenchel, wobei wir die Hälfte der Fenchelknollen an die Wühlmäuse verloren haben. Auch Obst und Walnüsse konnten wir in Hülle und Fülle ernten und standen schnell vor dem Problem, es gar nicht alles frisch verwerten zu können. Deswegen durften sich die Nachbarn dankend bedienen und es wurden etwa 20 Kilogramm Kirschen zu Marmelade gekocht, gedörrt, in Salz und Essig eingelegt oder zu Kompott verarbeitet. Gute 200 Kilogramm Äpfel wurden zu Saft gepresst, zu Apfelmus und Chutney verarbeitet, zu Apfeldicksaft eingekocht und zu Apfelringen gedörrt. Unser Vorratsschrank füllt sich immer weiter mit Leckereien. Seien es Einlegegurken, Tomatensauce, Holunderbeersirup, diverse Fermente und auch experimentelle Sachen wie Fichtenspitzen in Honig oder Löwenzahnsirup sind dort zu finden. Sauerkraut in drei Varianten, Knoblauch in Waldhonig, Gurkenkimchi, Antipasti, getrocknete Tomaten. Wenn man all das wunderbare Gemüse „aus der Not heraus“ einkocht, fermentiert oder anderweitig haltbar macht, fängt man an kreativ zu werden,

damit am Ende auch verschiedene Dinge herauskommen, an denen man die kalten Monate über Spaß hat. Vor allem, wenn es in der Küche dann doch einmal schnell gehen muss, ist es wunderbar sich daran bedienen und mit wenigen Handgriffen tolle Gerichte zaubern zu können.

Mit unserem ersten Gartenjahr sind wir mehr als zufrieden und sehen dem nächsten mit Spannung entgegen! Bis dahin gibt es noch viel zu lernen. Denn auch wenn wir scheinbar ein gesundes Ökosystem in unserem Garten haben, müssen wir nach dem ersten Jahr noch viel genauer darauf achten, was wir wo anbauen möchten, um dieses Ökosystem auch zu erhalten. Bisher haben wir uns hauptsächlich mit der Mischkultur beschäftigt. Abgeerntete Flächen, wie zum Beispiel unser Kartoffelbeet, haben wir bereits mit Bodenverbesserern, wie Senf, bestückt. Wenn wir auf den bewirtschafteten Flächen nächstes Jahr wieder anbauen möchten, müssen wir uns aber noch mit Fruchtfolgen auseinander setzen. Nicht nur durch eine Mischkultur, sondern vor allem auch einen regelmäßigen Wechsel der Kulturen, können Krankheiten und eine einseitige Nährstoffnutzung vermieden werden. Je nachdem, wie viele Nährstoffe eine Pflanze verbraucht, wird sie den Stark-, Mittel- und Schwachzehrern zugeordnet. Auf unserem Kartoffelbeet sollten wir im nächsten Jahr also keinen Kohl, Kürbis, Lauch oder Zucchini anbauen, da all diese Pflanzen zu den Starkzehrern zählen und dem Boden sehr viele Nährstoffe entziehen. Im nächsten Jahr können dort zum Beispiel Fenchel, Rote Bete und Salate unterkommen. 

Abgesehen davon möchten wir unsere Beete in der nächsten Gartensaison noch mehr durch Vor- und Nachkulturen ausnutzen. So kann ein und dasselbe Beet das Jahr über mehrere Gemüsesorten nacheinander beherbergen. Im Frühjahr sät man zum Beispiel Spinat, der etwa bis Mitte Mai abgeerntet wird. Daraufhin können, an dieser Stelle, Buschbohnen in die Erde. Diese werden wiederum gegen Ende August geerntet und schaffen Platz für Feldsalat und so weiter. Wie viele Jahre es wohl dauern wird, bis das alles keine böhmischen Dörfer mehr für uns sind?

Bevor wir diesen Artikel geschrieben haben, mussten wir unbedingt noch einmal den ersten Beitrag zu unserem Gewächshaus anschauen. Uns zurückversetzen, als das Haus noch leer war und wir im schönsten Sonnenuntergang ein Abendessen im Glashaus genießen durften. 

Unglaublich, was seither geschehen ist. Was für ein wundervolles Gefühl zu sehen, wie sich alles verwandelt hat und wir nun die Früchte dieser harten Arbeit ernten dürfen. Wir sind so glücklich, dass wir Bauhaus als Partner für unser Juliana Gewächshaus* gewinnen und dieses besondere Garten-Projekt gemeinsam realisieren konnten. Wie es mit dem Haus und unseren Jungpflanzen weiterging, möchten wir euch nun erzählen.

Erst einmal mussten wir die Basis für ein gutes Wachstum im Glashaus schaffen. Eine ordentliche Portion Mist haben wir aufwendig, Reihe für Reihe, untergehoben, um den Boden mit wertvollen Nährstoffen anzureichern. Dann konnten endlich, leider einige Wochen zu spät, die Jungpflanzen eingepflanzt werden. Die Tomaten wurden links und rechts vom breiten Mittelgang in jeweils vier Reihen mit drei Pflanzen in die Erde gesetzt.

Wie gut es ihnen getan hat aus den Töpfen befreit zu werden, zeigten sie uns, indem sie täglich an Größe und Umfang gewannen. Die Querstreben des Gewächshauses konnten wir dazu nutzen, die Tomaten festzubinden. Dafür haben wir am Haupttrieb der Pflanze, unterhalb des ersten Blattpaares, Kordel geknotet und diese an die oberen Gewächshaus-Streben mit einem Lassoknoten gebunden. Danach wurden die Tomatenpflanzen alle paar Tage vorsichtig um die Seile gewickelt und so geführt. Ebenfalls eine regelmäßige Arbeit beim Anbau von Stabtomaten ist das Ausgeizen. Dabei werden die Seitentriebe in den Blattachseln entfernt. So werden die Nährstoffe gezielt in die Früchte des Haupttriebes gesteckt, die Pflanze kann gerade an der Kordel heraufwachsen und braucht so weniger Platz. Noch dazu kommt die Sonne viel besser an alle Früchte, was sie schneller reifen lässt.

Aber zurück zum Gewächshaus. Schnell wurde klar, dass wir einen perfekten Ort für das Haus gefunden haben. Die Sonne kann unsere Pflanzen den ganzen Tag mit ihren wärmenden Strahlen versorgen. Was bei diesem Rekordsommer schon fast etwas zu viel des Guten war. Es wurde sehr schnell sehr heiß im Haus. Abhilfe schafften zu Beginn Schattiernetze auf der Südseite und später hohe Pflanzen, wie Sonnenblumen, die wir vor das Haus gesät hatten. Um die Temperaturen zu drosseln und eine gute Durchlüftung im Haus zu schaffen, blieben die Türen tagsüber offen und die Fenster passten sich den Temperaturen, durch automatische Fensterheber, an. So haben wir ein wunderbares Klima ins Haus bekommen. 

Durch eine dicke Schicht Mulch mussten wir, trotz des heißen Sommers, nur maximal dreimal, meist aber eher zweimal die Woche gießen. Die wenigen Regenfälle konnten wir dank der großen Dachfläche des Gewächshauses gut ausnutzen. Am Juliana Gewächshaus befinden sich Regenrinnen, mit deren Hilfe wir das Regenwasser in einer Tonne sammeln.

Von unserer Ernte möchten wir euch natürlich auch berichten. Mit der Gurkenernte ging es im Juli los. Seit dem konnten wir jede Woche etwa 5 Salatgurken ernten. Die ersten aromatischen Früchte der Tomaten konnten wir, aufgrund unseres verspäteten Starts in die Gartensaison, erst Ende August pflücken. In der Zwischenzeit sind immerhin um die 25 Kilogramm zusammengekommen aber unsere Pflanzen hängen noch voll mit unreifen Früchten. Nach dem Temperatureinsturz der letzten Tage ist nach jeder kalten Nacht der erste Gang ins Gewächshaus um das Klima zu kontrollieren. An sonnigen Tagen bekommen wir trotz der niedrigen Temperaturen gute 30 Grad ins Haus und Nachts bleibt es auch bei Außentemperaturen unter 10 Grad immer noch etwa 15 Grad im Gewächshaus. Wir hoffen, dass wir in den nächsten Tagen noch möglichst viele vollreife Früchte ernten können.

Für all diejenigen unter euch, die selbst gärtnern, haben wir alle Sorten zusammengeschrieben, die in unserem Gewächshaus Platz gefunden haben: das waren neun Sorten Tomaten: Salattomate Tigerella, Salattomate Friesje, Cocktailtomate Cerise Gelb, Cocktailtomate Black Cherry, Marktomate San Berao, Fleischtomate Paprikaförmige, Fleischtomate Marmande, Fleischtomate Schwarze Russische, Fleischtomate Riesentomate Ananas.

Vier Sorten Basilikum, die wir jeweils zwischen die Pflanzen gesetzt haben: Genovese Basilikum, Buschbasilikum, Rotblättriges Basilikum und Mammut Basilikum. Drei Sorten Auberginen: Blaukönigin, Melanzana Prosperosa, Baby Aubergine Ophelia. An Paprika und Chiligewächsen haben wir Spitze Paprika ‚Sweet Banana‘, Paprika ‚Runde Ungarische‘, Vietnamesischer Chili und Ecuador Purple Chili gepflanzt. Außerdem die Salatgurke ‚Tanja‘.

Unser Fazit zum ersten Sommer mit Gewächshaus: das Juliana Gärtner hat die perfekte Größe für unseren Bedarf. Zum frisch verarbeiten ist die Menge für zwei Personen schon zu groß aber da wir einiges auch für die kälteren Tage eingemacht haben und auch immer wieder Besuch beim aufbrauchen geholfen hat, kommt es am Ende gut hin. Die Tomaten haben wir zum Beispiel zu Sauce eingekocht, sie getrocknet und in Öl eingelegt. Auch an einer Tomaten-Marmelade haben wir uns versucht. Aus Gurken haben wir am liebsten Kimchi gemacht, die Chilis zu einer fermentierten scharfen Sauce verarbeitet. So kann man die Früchte auch noch in den kalten Tagen genießen oder hat die perfekte Basis, wenn es einmal schneller gehen muss beim Kochen.

Abgesehen von der Größe unseres Gewächshauses, sind wir nach wie vor sehr begeistert von der Qualität. Bisher hat es schon einige stürmische Tage und sogar einen kleinen Hagelschauer mitgemacht. Falls doch einmal etwas zu Bruch gehen sollte wissen wir, dass man die einzelnen Glasplatten ohne Probleme austauschen kann. Durch die robuste und durchdachte Konstruktion lässt sich das Haus außerdem mit allem möglichen Schnickschnack erweitern, wie Fensteröffner, automatische Bewässerung, Regentonne, Schattierungsnetze, Kletterhilfen und so weiter. 

Sobald irgendwann im Oktober die letzten Früchte von den Pflanzen gezupft sind, räumen wir das Gewächshaus leer und bereiten es für die nächste Saison vor. Bis es im Frühjahr dann wieder mit der Anzucht der Jungpflanzen los geht, wird das Haus ganz sicher auch ein Ort zum Aufhalten sein. Dann werden wieder Lampen und Kerzen darin Platz finden, ein kleines Tischchen. Denn nicht nur für die Pflanzen, sondern auch für uns ist es ein wundervoller Platz geworden, den wir in unserem Garten nicht mehr missen möchten.

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