Wer uns und unseren Blog verfolgt merkt schnell, dass wir ein besonderes Faible für schöne Orte haben, an denen wir abschalten und das Leben genießen können. Mindestens einmal im Jahr müssen wir unsere Wanderlust stillen. Den stressigen Alltag zu Hause lassen und neue Energie und vor allem Inspiration tanken.

Daher waren wir unglaublich glücklich, als uns vor einigen Wochen Franziska und Judith von Good Travel einluden, eine ihrer Locations zu besuchen. Auf der ersten europaweiten Buchungsplattform für nachhaltige Reisedestinationen haben die beiden sorgfältig ausgewählte, authentische und inspirierende Unterkünfte versammelt. Man findet auf der Website von Good Travel einzigartige Hotels, BnBs und Ferienhäuser, die nach 5 Nachhaltigkeitskriterien ausgewählt werden. Wichtig ist den Gründerinnen zum Beispiel eine regionale und frische Bioküche, eine naturnahe Bauweise und die bewusste Nutzung von Ressourcen. Auch das soziale Miteinander spielt eine wichtige Rolle. Die Unterkünfte müssen mindestens eines ihrer Kriterien erfüllen um gelistet zu werden. Die Auswahl reicht von alten Bauernhöfen über Designerhotels hin zu mediterranen Villen, Baumhäusern und Campingplätzen.

Vorgestellt werden sie mit ausführlichen Texten und Bildern die beim Stöbern sofort eine große Portion Fernweh hervorrufen. Beim ersten Blick auf die Homepage haben wir schon ein Dutzend Unterkünfte gefunden, für die wir direkt die Koffer packen würden! Sei es ganz in der Nähe von Berlin der Re:hof Rutenberg, der Arche Hof in Bayern, die außergewöhnlichen Terragora Lodges in Frankreich, das Eremito Hotelito del Alma in Umbrien, das Tainaron Blue Retreat in Griechenland oder das ION Iceland Adventure Hotel auf Island. Als große Skandinavien Fans hat es uns nach Schweden gezogen. Über das besondere Treehotel sind wir schon öfter gestolpert. Als uns schließlich Urnatur angezeigt wurde, war ganz klar, dass wir unsere Traumlocation gefunden haben.

Ulrika und Håkan sind das perfekte Beispiel dafür, dass es bei Good Travel nicht nur um nachhaltige und stilvolle Unterkünfte geht, sondern auch immer die Menschen dahinter eine wichtige Rolle spielen. Was die beiden mit ihrem Urnatur geschaffen haben, muss man einfach selbst erlebt haben. All die Inspiration aufsaugen, die dort geboten wird. Die Schönheit der Natur spüren, die Poesie des Waldes.

Ulrika ist Biologin und Designerin und Håkan Forstwirt. Ihr Bauernhof ist umgeben von einer ursprünglichen Kulturlandschaft mit freilaufenden Tieren, einem See, Feldern und ganz viel Wald. Zusammen bewirtschaften sie das Land seit über 20 Jahren nach traditionellen Methoden.

In ihren Wald haben sie aus eigener Kraft einzigartige Hütten und Baumhäuser gebaut. Diese bestehen nicht nur ausschließlich aus natürlichen Materialien, sondern wurden zum größten Teil aus dem Holz der Bäume gebaut, die Anfang des Jahrtausends zwei schweren Stürmen zum Opfer fielen. So mussten nur wenige gesunde Bäume gefällt werden. Durch ein mobiles Sägewerk wurden die Bäume vorgeschnitten, der Rest ist ganz viel Handarbeit. Alles muss genau passen, perfekt geschliffen sein, durch Moos abgedichtet. Einige Unterkünfte sind den traditionellen Hütten der Sami, den Ureinwohnern aus Nordschweden, nachempfunden und damit auch architektonisch ein Highlight. Jede der Hütten hat ihren eigenen Charme, eine eigene Persönlichkeit. Das Dach unserer Hütte wurde zum Beispiel mit einem besondern Teer imprägniert. Die Dachschindeln bekamen erst vor einigen Tagen wieder einen neuen Anstrich. Den wunderbaren, harzigen Duft konnte man schon viele Meter entfernt wahrnehmen. Bei uns löste er sofort ein wohlig warmes Gefühl aus. Auf anderen Dächern konnten wir alles bestaunen, was auch auf dem Waldboden wächst. So haben wir zwischen Moos und Farnen auf einem Dach köstliche Walderdbeeren gefunden.

Auch im Inneren der Hütten ist alles sehr natürlich und zurückhaltend eingerichtet. Die Räume sind mit selbst hergestellten Naturfarben aus Leinöl gestrichen, die Möbel wurden zum Teil von schwedischen Künstlern entworfen. Was alle Häuser gemeinsam haben ist, dass es keine Elektrizität gibt. Geheizt wird mit Öfen und Holz aus dem Wald, die Beleuchtung kommt von Kerzen oder Öllampen, gekocht wird auf offenem Feuer. Auch wenn es sehr gemütlich in den Hütten ist, haben wir es uns eigentlich immer nur abends mit einem Buch darin bequem gemacht. Es gab einfach zu viel zu entdecken und wir waren viel zu neugierig. Daher haben wir den Rest der Zeit versucht Ulrika und Håkan so oft es ging auszuquetschen. Über die Pflanzen im Garten und im Wald, besondere Zubereitungsarten, persönliche Geschichten. Wir wollten einfach so viel wie möglich von diesen inspirierenden Menschen lernen.

 

In den Tagen bei Urnatur haben wir wunderbares über den Wald erfahren und einfach ganz viel gekostet und probiert. Abgesehen von den tollen Dingen, die es sowieso jeden Morgen zum Frühstück gab, wie Ulrikas selbstgebackenes Sauerteigbrot oder dem Chaga Tee (einem Tee aus Birkenpilz), waren wir wahnsinnig begeistert von Löwenzahnsirup, Birkenwein und selbstgemachtem Waldlikör.

Besonders spannend fanden wir es, als Ulrika uns von barkbröd erzählte, einem Fladenbrot, dass aus der Borke von Kiefern gebacken wird. Diese Teigfladen wollten wir unbedingt mit ihr zusammen zubereiten und waren super glücklich, dass sie noch ein paar Stücke getrocknete Baumrinde in ihrem Vorratsschrank hatte. Heute ist es nicht mehr üblich dieses Brot zu backen, da es an schlechte Zeiten erinnert. Zu Krisenzeiten und im 2. Weltkrieg war es Notnahrung. Brot wurde mit dem Rindenmehl gestreckt, weil von allem zu wenig da war. Allerdings hat man solche Brote auch schon in tausend Jahre alten östergöthlandischen Gräbern gefunden. Damals aus Ackererbsen und Fichtenrinde hergestellt. Ganz abwegig ist es auch heute nicht die Nährrinde der Kiefer zur Nahrungsergänzung zu nutzen. Sie ist nämlich reich an Eisen, Zink, Mangan, Kalzium sowie Vitamin C, B1 und B2 und stärkt durch Bioflavonoide das Immunsystem.

Die dünne Schicht (Bast) unter der obersten Baumrinde (Borke) lässt sich am leichtesten Anfang Juni ablösen. Natürlich nur so viel, dass der Baum keinen Schaden nimmt und weiter überleben kann. Ulrika nutzt in der Regel die Rinde von Bäumen, die ohnehin gefällt werden müssen. Die abgelöste Borke wird im Backofen getrocknet, damit sie anschließend gemahlen werden kann. Das Borkenmehl quillt sehr stark auf und hat kein Gluten, deswegen sollte der verwendete Anteil in Brot oder auch anderen Gebäcken nicht zu groß sein. Ein Viertel der Mehlmenge kann man gut damit ersetzen. Wir fanden den Geschmack sehr besonders. Man würde denken, er wäre vielleicht harzig, herb, sogar etwas bitter. Aber die Nährrinde transportiert neben Vitaminen auch Zucker im Baum und deswegen hat das Mehl eine leicht süßliche, würzige Note. Das barkbröd mitten im Wald zu backen war ein tolles Erlebnis! Einfach gemeinsam ums Feuer zu sitzen, die Fladen mit etwas Butter zu bestreichen und das Lichtspiel durch die Baumkronen zu genießen. Herrlich!

 

Wusstet ihr, dass es in Japan ein eigenes Wort gibt für das Licht, das durch Blätter fällt? Komorebi. Kennengelernt haben wir diesen Begriff durch die in Japan lebende Floristin Gabriele Kubo. Mit ihrem Projekt „Artist in Nature“ geben Ulrika und Håkan Künstlern die Möglichkeit in ihrem Wald zu leben, um etwas zu erschaffen, dass die Philosophie und das Gefühl von Urnatur widerspiegelt. Gabriele wurde als diesjährige Künstlerin ausgewählt und entschied sich dafür einen Ort im Wald zu schaffen, an dem man sich treffen, die Umgebung genießen und einfach sein kann. Ihr Objekt ist ein bepflanzter Tisch in japanischer Höhe, an dem man auf Augenhöhe mit den Pflanzen des Waldes sitzen kann. Sie hat unzählige Arten an Moosen und Pflanzen, die sie alle im Wald gefunden hat, in dem Tisch verarbeitet. Das Innere des Tischs besteht aus Erde, so dass alle Pflanzen weiter wachsen können und sich der Tisch mit der Zeit verändern kann, zu einem lebendigen Objekt werden soll. Die Stelle im Wald hat die Künstlerin so ausgewählt, dass der Tisch im Sommer ab 12:30 Uhr in ein wahres Lichtspektakel gehüllt ist. Dann bricht die Sonne durch die Blätter der Bäume und tanzt durch Moose und Farne auf ihrem Waldtisch. Es ist wunderschön. Die Mooskissen sind so bequem, dass man den ganzen Tag dort verbringen und tausend Dinge entdecken kann. Wir freuen uns, dass wir bei der Einweihung dabei sein konnten.

 

Über unseren Besuch bei Urnatur gibt es noch so vieles mehr zu erzählen, dass wir uns diesmal dazu entschieden haben, den Beitrag aufzuteilen um euch in einem weiteren Post noch mehr von unseren Abendteuern und Erlebnissen in Schweden berichten zu können.

Für 2-3 Personen

Als wir beim letzten Besuch auf Gretes Gemüsehof diesen wunderschönen Brokkoli entdeckt haben, mussten wir direkt an die Bärlauchgnocchi mit Rosenkohlschossen aus unserem Kochbuch denken und haben das Rezept in abgewandelter Form zubereitet. Die Gnocchi haben wir aus der perfekt geeigneten Sorte Adretta gemacht, auf die Grete für Stampf und Kartoffeltaler schwört. Es ist eine sehr mehlig kochende Sorte. Bei Gnocchi kann die Grieß- und Mehlmenge immer etwas variieren, je nachdem welche Kartoffelsorte ihr verwendet. Wir fangen immer erst einmal mit weniger Grieß an und schmeißen ein Kartoffelklößchen zum Testen ins siedende Wasser. Bei Bedarf kneten wir noch etwas mehr Grieß unter, wenn uns die Masse noch zu weich ist. Bei Gnocchi hat jeder seine eigenen Vorlieben, der eine mag sie eher weich wie Kartoffelklöße, der andere mit mehr biss. Da wir unsere Gnocchi gerne noch einmal in der Pfanne braten, sind sie bei uns etwas fester.

Die ungeschälten Kartoffeln in ca. 20 Minuten weich kochen. In der Zwischenzeit die Sonnenblumenkerne in einer Pfanne ohne Öl rösten, bis sie anfangen zu duften und anschließend abkühlen lassen. Den Knoblauch und die Petersilie, samt Stielen, grob hacken. Petersilie, Sonnenblumenkernen, Knoblauch, Rapsöl und Kapern im Mixer oder mit dem Pürierstab zu einem Pesto verarbeiten und mit Salz abschmecken.
Die Kartoffeln abgießen, etwas abkühlen lassen und pellen. Die Kartoffeln noch heiß durch die Kartoffelpresse drücken. Die Masse mit Salz und Muskatnuss würzen und mit 130 g Grieß und 50 g Mehl verkneten. Der Teig soll glatt sein und nicht mehr kleben; falls nötig noch etwas Grieß und Mehl zugeben. Den Kartoffelteig auf reichlich Hartweizengrieß portionsweise ausrollen, und mit einem Messer in Stücke schneiden.
Reichlich Salzwasser in einem großen Topf zum Kochen bringen. Den Brokkoli in mundgerechte Stücke zerteilen, im Salzwasser blanchieren, mit einem Schaumlöffel abschöpfen und beiseite stellen. Anschließend die Gnocchi im siedenden Salzwasser garen, bis sie an der Wasseroberfläche schwimmen.
Eine beschichtete Pfanne mit Olivenöl erhitzen. Die fertigen Gnocchi mit einem Schaumlöffel abschöpfen und direkt in die Pfanne geben. Die Gnocchi etwas anbraten, anschließend den Brokkoli hinzugeben und kurz mitbraten. Zum Schluss das Pesto unterrühren und mit Meersalz abschmecken. Wir haben unsere Gnocchi noch mit Kräuterblüten und Sonnenblumenkernen garniert.

Es hatte leider etwas länger als gehofft gedauert, bis wir wieder ein paar Tage Zeit gefunden haben um auf Gretes Hof vorbeizuschauen. Umso krasser war natürlich die Verwandlung. Bei unserem letzten Besuch im Frühling waren die Gewächshäuser voll mit Setzlingen und die Felder standen größtenteils leer, auch wenn die Samen unter der Erde schon langsam keimten.

Im Juli war dann alles zu voller Pracht ausgewachsen. Die Tomatenpflanzen, die wir Anfang des Jahres pikiert hatten, waren mit leuchtend roten und prallen Früchten behangen. Auberginen, Gurken, Zucchini, Rote Bete, Schwarz- und Rotkohl, Johannisbeeren, neue Kartoffeln, Kräuter mit bunten Blüten, Mangold, zarte Möhren, Zwiebeln und allerhand anderes köstliches Gemüse landete in den Kisten für den Markt oder die Solidargruppe. Welche heimischen Obst- und Gemüsesorten gerade Saison haben, könnt ihr übrigens in unserem Saisonkalender nachlesen.

Neben dem Ernten und heimlichen Naschen ähm…nennen wir es einfach sorgfältige Prüfung der Ware, stand Unkraut jäten ganz oben auf der Aufgabenliste. Wir sind eigentlich keine Ordnungsfanatiker aber die Gewächshäuser nach stundenlangem herumrobben auf den Knien vom Unkraut befreit zu sehen war schon ein sehr zufriedenstellendes Gefühl.

Im Sommer beginnt aber auch schon die Vorarbeit für die neue Saison. Grete betreibt nicht nur einen Gemüse- sondern vor allem Samenbau und hat unzählige ungewöhnliche Sorten in ihrer alten Mühle versammelt, die auch in den Verkauf gehen. Diese müssen natürlich geerntet und getrocknet werden.

Es gibt einige Gemüsesorten, die nur für die neue Saatgewinnung angebaut werden, bei anderen werden die Pflanzen länger auf dem Feld gelassen, damit sie schießen, blühen und Samen hervorbringen. Manche Pflanzen sehen nach der Blüte ziemlich abgefahren aus. Den Blattsalat oder die Radieschen hätten wir fast nicht wiedererkannt! Sowieso haben wir dieses Mal ganz viel Zeit damit verbracht einfach nur die wunderschönen Farben und Formen des Gemüses zu bewundern. Ein bisschen komisch kommt man sich schon dabei vor, so begeistert vor einem Feld zu stehen aber habt ihr schon einmal solche riesigen Kohlköpfe gesehen?! Die Natur kann schon was!

Die Ernte hat viel mit Logistik zu tun. Die Mitarbeiter wissen natürlich genau was alles ansteht, wie viele Kisten gepackt und wie die Bünde geschnürt werden müssen. Nicht nur für den Markt oder die Soli-Gruppe, Spitzenköche in ganz Berlin warten jede Woche auf ihre bestellte Ware, die abgewogen und sortiert werden muss. Darunter auch ganz besondere Zutaten wie junge Lindenblätter. Wir haben uns dieses Mal eher rausgehalten, um den Ablauf nicht zu stören. Dafür haben wir Mittags für die ganze Meute gekocht. Eines der Gerichte möchten wir euch in den nächsten Tagen unbedingt noch vorstellen! Grete hatte auf einem Feld fabelhaften Brokkoli. Allerdings nicht, wie man ihn normalerweise kennt, sondern mit dünnen Stielen und hübschen kleinen Röschen. So lieben wir ihn, denn man kann sowohl die Stiele, als auch die Blätter einfach mitverarbeiten und er sieht wunderschön aus. Kombiniert haben wir ihn mit Gnocchi aus Gretes neuen Kartoffeln. Einfach herrlich!

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