Traditionen sollte man feiern! Wie ausgiebig das die Sizilianer tun, durften wir zur 150 Jahrfeier von Averna* miterleben. In nur drei Tagen sind so viele Eindrücke auf uns eingeprasselt, Aromen und Gerüche, dass wir einfach nur überwältigt sind. Die Gastgeber haben alles dafür getan die sizilianische Kultur, Gastfreundschaft, Geselligkeit, Lebensfreude, ihre Liebe zu lang gehegten Traditionen und den Stolz auf die tausendjährige Heimat, in ein aufregendes Programm zu verpacken. So konnten wir den Herkunftsort des Amaro Siciliano auf ganz besondere Weise erleben.

Angekommen in Palermo, hat uns die bunte, lebendige Stadt, umgeben von Bergen und Meer, direkt in ihren Bann gezogen. Die Luft ist mit einem Hauch von Zitrone gefüllt und Palermos Bewohner verbreiten mit ihrer positiven Energie unglaublich viel Lebensfreude. Der erste Eindruck zog sich wie ein roter Faden durch unsere Zeit auf der größten Insel im Mittelmeer. Begonnen mit einer Zitronenernte und Verkostung. Die naturbelassenen Zitrusfrüchte, mit Blick auf das Meer zu ernten und anschließend als frische Limonade und Granita zu genießen, hat unsere Sinne für die anschließende Festa Siciliana geschärft. In der beeindruckenden Atmosphäre und Kulisse der alten Villa San Marco, aus dem siebzehnten Jahrhundert, wurden regionale Spezialitäten serviert und traditionelle Tänze und Musik präsentiert. Die Liebe der Sizilianer zu den Gästen und die Wertschätzung von guter, authentischer Küche, war allgegenwärtig auf diesem Fest. Handgemachte Pasta, frischer, noch warmer Ricotta und Pistazienpesto waren unsere absoluten Favoriten des Abends.

Obwohl der erste der drei Tage für uns schon in den frühen Morgenstunden begann und wir noch länger wach im Bett lagen, hat uns die Aufregung auf den nächsten Tag nicht lange schlafen lassen. Neben der großen Feier am Abend, wartete ein spannendes Programm auf uns. Küchenchef Filippo La Mantia führte uns durch die Straßen Palermos, in kleine Cafés, über den berühmten Ballarò Markt, zeigte uns die besten lokalen Produkte. Es war wie eine Karussellfahrt, schnell, bunt, laut und mit einem Kitzeln im Bauch, das durch die Fahrt mit einer Ikone der italienischen Kultur, die Ape, noch verstärkt wurde. Mit den kleinen, wendigen Gefährten wurden wir durch die engen, holperigen Gassen chauffiert. Gelenkt von einer temperamentvollen, älteren Italienerin, die während der rasanten Fahrt lauthals grüßte oder auch mal pöbelte.

So ganz konnte man das nie wissen, ohne Italienischkenntnisse. Es war herrlich!

Meo Fusciuni, Geruchsvirtuose und Meister der Kunst der Parfumherstellung, führte uns durch den traumhaft schönen, neoklassizistischen Botanischen Garten Palermos und verwöhnte unsere Nasen mit seinen Essenzen und Düften aus Kräutern und Blumen.

Und als wir dachten, besser könnte es gar nicht mehr werden, haben wir den fast schon unwirklichen Ort für die große Feier betreten: die Ruinen der einst größten Kathedrale der Stadt. Wundervoll dekoriert, war die majestätische Chiesa di Santa Maria dello Spasimo der perfekte Ort für das große Festa. An einer langen Tafel in diesen alten Gemäuern zu sitzen, die Vögel darüberziehen zu sehen und ein leckeres Abendessen von Filippo La Mantia serviert zu bekommen, erlebt man nicht alle Tage!

Allgegenwärtig war das Aroma des Amaro Averna mit seinem milden bittersüßen Geschmack nach Zitronen, Bitterorange, Granatapfel und Kräutern. Getrunken wird der Bitterlikör gerne nach einem ganz bestimmten Ritual. In bauchige Gläser gefüllt, wird der Amaro auf Eis mit frischen Zitrusfrüchten und Kräutern versetzt und gerollt, damit sich die Aromen voll entfalten können. Und das ganz individuell, wie man es am liebsten mag.

Einen Einblick, wie der Averna hergestellt wird, haben wir natürlich auch bekommen. Das Geheimrezept dafür wurde 1868 von den Benediktinermönchen der Abtei Santo Spirito als besonderes Geschenk und Zeichen der Dankbarkeit für das Engagement für die örtliche Gemeinschaft an Salvatore Averna weitergegeben. Alle Zutaten wie ätherische Öle aus Zitronen- und Bitterorangenschalen, Granatapfel, Kräuter und Wurzeln werden sorgfältig ausgewählt, gewogen, gemahlen, vermischt und mit reinem Alkohol versetzt. Nach einer längeren Infusionsperiode wird die Flüssigkeit mit Wasser gemischt, um sie auf den richtigen Alkoholgehalt zu bringen. Nach dem Filtern werden Zucker, Alkohol und Wasser ergänzt, bis das perfekte Aroma erreicht ist. Allein der Duft wird uns nun gedanklich immer wieder direkt zurück auf die Zitronenplantage und in den Trubel Palermos versetzen…

8 Kommentare

    • Das hatten wir! Wir haben uns schon riesig auf diese Reise gefreut aber mit dem, was uns dann erwartet hat, haben wir nicht gerechnet. Allein als wir Zitronenernte gehört haben, waren wir schon Feuer und Flamme aber alles andere hat dem Ganzen wirklich die Krone aufgesetzt. Schön, dass es dir gefällt!

  • My gosh, 3 days of local extravaganza Sicilian way. Sea and lemons. Pleasure, joy and happiness. Take me with you next time, please 😁🤗☀️🍋🍋
    So much in love with this post!

  • I absolutely love Sicily and all your amazing photos made me wanna go back so badly. It must have been such a wonderful experience, with the lemon harvest, the market with all the fresh produce, and the dinner on top of all that. It seems like you enjoyed your days on the beautiful island and I’m so happy you made a blog post out of it too!

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