Im ersten Beitrag über unser kleines Abenteuer in den schwedischen Wäldern, haben wir euch schon viel über Urnatur und Good Travel erzählt. Den zweiten Teil möchten wir vor Allem dem Kochen widmen.

Schon länger beschäftigen wir uns viel mit dem Kochen auf offenem Feuer. Bei Urnatur konnten wir uns auf den vielen Feuerstellen voll und ganz austoben. Sei es direkt am See, mitten im Wald oder in der offenen Gemeinschaftsküche. Es gibt dort zwar auch einen Gasherd, nichtsdestotrotz haben sich auch alle anderen Gäste an der Kunst des Feuermachens versucht. Das gehört einfach zum Erlebnis dazu. Ulrika und Håkan stellen eine große Auswahl an Töpfen, Pfannen, Kesseln und  Muurikkas, große finnische Grillpfannen, zur Verfügung. Alles Gusseisen und mit Beinen, damit man es bequem über dem Feuer platzieren kann. Jeden Tag erntet Ulrika frisches Gemüse aus dem Garten, aus einem kleinen Kräuterbeet kann man sich selbst bedienen und auch sonst ist alles da, was man zum Kochen braucht. Öle, Essig, Gewürze, Linsen, Bohnen usw. Manchmal standen wir trotzdem Nachmittags mit knurrendem Magen vor der Dose mit dem knusprigen schwedischen Knäckebrot, weil wir vor lauter Fotografieren das Essen ganz vergaßen. Aber natürlich gab es auch Tage, an denen wir von früh bis spät am Feuer gewerkelt haben. Aus frischen Kartoffeln, jungen Beten und jeder Menge Kräuter und Blüten haben wir ein einfaches aber sehr aromatisches Abendessen zubereitet. Die Beten wurden im Ganzen mit Schale in einem Topf über dem Feuer gegart, geräuchert und anschließend geschält. Die Kartoffeln haben wir klein gewürfelt und nur mit etwas Öl und Salz gebraten. Der Eigengeschmack des Gemüses kombiniert mit den Aromen des Feuers. Dazu noch Knoblauchblüten, Dill, Schafgarbe und die zarten Blätter der Bete – ein Gedicht! Als Nachtisch gab es an dem Abend aromatische Waldbeeren (Himbeeren, Walderdbeeren und Blaubeeren) auf Haferflocken-Pfannkuchen. Etwas Joghurt und Ulrikas leckerer Löwenzahnsirup waren perfekt dazu. Das klingt jetzt ziemlich kitschig aber wenn man nach so einem Mahl im Dunkeln mit seiner Laterne durch den Wald läuft und den Sternenhimmel durch die Bäume beobachtet, kann man anschließend nur selig einschlafen. Diese Einfachheit, die Reduktion aufs Wesentliche, ist unglaublich entspannend.

Am nächsten Tag hat Håkan uns auf ein weiteres Stück Land der beiden mitgenommen um ein bestimmtes Schilf zu sammeln, welches er zum flechten verwendet. Auf dem Weg zu einem kleinen See, sind wir ihrer Schafherde begegnet. Die Schafe produzieren nicht nur ein gutes Düngemittel für den Boden, sondern tragen maßgeblich dazu bei, dass das Gelände nicht zuwuchert und die ursprüngliche Kulturlandschaft erhalten bleibt. Ohne die Tiere könnte die reiche Biodiversität des Ortes nicht aufrechterhalten werden. Die besonders alte Rasse “pälsfår” ist wahnsinnig schön und die Schafe der beiden Besitzer sind ungewöhnlich zutraulich und haben ihre Streicheleinheiten regelrecht eingefordert.

Nachdem wir von dem kleinen Ausflug zurück waren, saßen wir mit Ulrika, Håkan und Freunden von ihnen aus Berlin zusammen und kamen irgendwann auf das Thema „Kochen im Erdloch“. Wir wollten schon so lange einmal diese Zubereitungsmethode ausprobieren und sind aus allen Wolken gefallen, als Håkan vorgeschlagen hat das auszuprobieren.

Er ist selbstverständlich Fachmann und hat uns kurz erklärt, wie es geht. Danach hat er sich verabschiedet und uns machen lassen um später mit kritischem Auge über unsere Arbeit zu schauen. Zuerst muss natürlich ein Feuer her. Damit später die zu erhitzenden Steine darauf platziert werden können, muss es flach ausgebreitet werden. Über der Steinschicht haben wir eine weitere Lage Holz zum Brennen gebracht. Die anfangs dunklen Steine sind heiß genug, wenn sie weiß glühen. Bis dahin kann die Grube ausgehoben und reichlich Gras gesammelt werden, welches das Gargut vorm Verbrennen schützt. So wird der Inhalt schonend und feucht gegart. Das Kochen im Erdloch gehört zu einer der ältesten Kochtechniken und wird in einigen Regionen auch heute noch praktiziert. Zum Beispiel in Neuseeland und den Anden. Im Gegensatz zum direkten Garen über dem Feuer, also dem Grillen oder Rösten, ermöglicht es diese Art der Zubereitung trockene und feuchte Zutaten, sowie Kräuter und Gewürze gemeinsam zu garen. Für unser Gericht haben wir verschiedenes Gemüse grob gewürfelt, zum Beispiel Kartoffeln, Möhren, Bete und Blumenkohl und es nur mit Salz gewürzt. Wir wollten das pure Aroma schmecken, das durch das Kochen im Erdloch entsteht. Danach wurde das Gemüse in große Kohlblätter gewickelt und mit dem vorher gesammelten Schilf zu Päckchen verschnürt. Das Gemüse hält so zusammen, ist geschützt und kann gleichzeitig schonend im eigenen Saft garen.

Sind die Steine heiß genug, muss es sehr schnell gehen. Daher ist es wichtig, dass vorher alles genau vorbereitet ist und griffbereit liegt. Zuerst wurden die Steine nebeneinander ins Erdloch gelegt und mit einer dicken Schicht Gras bedeckt. Darauf kamen die Gemüsepäckchen und eine weitere Schicht Gras. Damit das Gras nicht anfängt zu brennen, musste die Grube schnell Luftdicht verschlossen werden. Dafür wird sie mit einer Plane oder einem Stoff belegt und mit Erde bedeckt. Es darf kein Rauch mehr entweichen können, nur dann ist der Erdofen wirklich dicht verschlossen. Dann hieß es warten. Je nach Inhalt variiert die Garzeit. Unser geschnittenes Gemüse sollte nach etwa einer Stunde fertig sein. Einen ganzen Kürbis, vielleicht sogar gefüllt, könnte man mittags ins Erdloch legen und bis zum Abend darin garen.

Um uns die Wartezeit zu verkürzen, haben wir direkt ausreichend Steine erhitzt um damit nicht nur das Erdloch, sondern auch eine Schwitzhütte zu beheizen. Während das Gemüse im Boden garte, sind auch wir in unserer Natursauna ganz schön ins Schwitzen gekommen. Als Abkühlung einen Kopfsprung in den See, bevor es den nächsten Saunagang gab.

Entspannt und gereinigt konnten wir nach einer Stunde das Gemüse aus dem Erdofen holen und gemeinsam essen. Der Duft war extrem aromatisch! Auch geschmacklich war das Gemüse hervorragend und hatte durch die schonende Garmethode eine tolle Konsistenz. Butterweich und trotzdem nicht verkocht. Zu dem einfachen Gemüse haben wir aus Möhrengrün, gerösteten Sonnenblumenkernen, etwas Knoblauch und Olivenöl ein Pesto zubereitet.

Nach dem leckeren Essen gönnten wir uns noch eine Runde mit dem Kanu auf dem See und ließen einen weiteren perfekten Tag am Lagerfeuer ausklingen. Wir sind uns sicher, dass es nicht unser letzter Besuch bei Urnatur gewesen sein wird. Wir werden auf jeden Fall zurückkommen!

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