Ein Kurztrip nach Italien zum Eisessen mag etwas verrückt klingen aber als wir von Grom Gelato* eingeladen wurden, haben wir nicht lange überlegt und zugesagt. Nach kurzer Recherche stellte sich heraus, dass den Gründern Guido und Federico nachgesagt wird, das beste Eis Italiens oder vielleicht sogar der ganzen Welt herzustellen. Ob das stimmt, wollten wir unbedingt herausfinden. Nach einem gestrichenen Flug, Warten am Flughafen, einem Umweg durch halb Deutschland und der Suche nach unserem verloren gegangen Koffer, trafen wir in Turin dann endlich auf einen der beiden Gründer von Grom, Guido Martinetti. Und zwar bei einem köstlichen Dinner mit regionalen Spezialitäten aus dem Piemont, die die Strapazen der vergangen Stunden oder eher des vergangen Tages vergessen ließen. Das fabelhafteste Focaccia überhaupt, Agnolotti mit Parmesan, perfektes Risotto, saisonales Gemüse und natürlich nur die besten Weine wurden serviert. Nicht nur Guido während des Essens zuzuhören war faszinierend. Mindestens genauso viel Spaß hat es gemacht, ihn zu beobachten. Beherzt bediente er sich an den Nachbartellern, löffelte den Parmesan direkt aus dem Schälchen heraus und freute sich wie ein Kind über jeden Gang. Jeder andere hätte hier und da vermutlich unhöflich gewirkt, bei ihm war es einfach nur unheimlich charmant und demonstrierte seine Liebe zur italienischen Küche und zu den sorgfältig ausgewählten Zutaten. Das Stichwort für ihr ganzes Unternehmen. Die beiden Gründer von Grom sind Anhänger der Slowfood-Bewegung und damit begann auch die ganze Erfolgsgeschichte. Bis 2002 hatten der Winzer Guido Martinetti und Finanzberater Federico Grom keine Ahnung von der Eisherstellung. Bis ein Artikel des Slowfood Gründers, Carlo Petrini, Guidos Interesse und vor allem Ehrgeiz für dieses Thema weckte. In dem Artikel ließ Petrini sich darüber aus, dass in Italien niemand mehr Gelato auf traditionelle Art herstellen würde. Kaum zu fassen, wo das Eis doch zu den oft gelobten italienischen Spezialitäten gehört. Qualitativ hochwertiges Gelato, mit saisonalen Früchten, ohne künstliche Aromen, Konservierungsstoffe und all die anderen industriellen Zusätzen gäbe es nicht mehr, so Petrini. Diese Einschätzung sollte sich schon ein Jahr später ändern. Denn Guido überzeugte seinen Freund Federico mit der Idee, das beste Gelato herzustellen, das auf dem Markt zu finden wäre. Sie eröffneten, mit wenig Geld und noch weniger Ahnung, ihre erste Gelateria in Turin und innerhalb kürzester Zeit rannten die Eisliebhaber den Beiden den Laden ein. Mit ihren frischen, unkonventionellen Ideen änderten sie die Regeln in der Branche. Ihre Unwissenheit führte sie am Ende mit einer ganz anderen Denkweise rund ums Gelato und die Herstellung zum Erfolg. Bis heute, 15 Jahre später, studieren die Gründer die Gelato-Herstellung, um Grom immer weiter zu perfektionieren. Ihre Methode ist dabei einzigartig. Sie beliefern ihre Läden nicht mit dem vorgefertigtem, bereits gefrorenen Eis, sondern liefern die frische Rohmasse, die in den Eismaschinen vor Ort aufgeschlagen wird und dadurch ihre perfekte Konsistenz erhält. 

Das Wissen und auch die Rezepturen sind aber nicht allein ein Garant für das Geschmackserlebnis von Grom. Am wichtigsten sind tatsächlich die guten Zutaten. Hier stießen die beiden Gründer schnell an die Grenzen des Möglichen. Produkte nach ihrem Anspruch gab es nirgends in Italien zu finden.

Also gingen die beiden noch einen Schritt weiter und bauten 2007 ihre eigene Farm mitten im wunderschönen Piemont auf. Die Mura Mura Farm. Auf dem 20 Hektar großen Bio-Bauernhof, in Costigliole d’Asti, werden die besten, schmackhaftesten Obstsorten angepflanzt. Diese heißt es aber erst einmal ausfindig zu machen. Die ganze Farm ist also ebenfalls als Versuchslabor unter freiem Himmel zu sehen. Bei dem Anbau der Früchte geht es nicht darum, ein vor allem optisch ansprechendes Ergebnis zu erzielen. So ist es bei den meisten Produzenten, denn auf dem Wochen- oder Supermarkt soll der Käufer auf den ersten Blick vom Gemüse begeistert sein. Das Ziel auf der Mura Mura Farm ist es allerdings, Früchte mit dem besten Geschmack zu erhalten. So sind zum Beispiel die Marillen kleiner als diejenigen im Supermarkt und mit Punkten übersät, ein vermeintlicher Schönheitsmakel. Dafür ist der Geschmack ein ganz besonderer und nirgends sonst zu finden. So  auch bei den Erdbeeren, die wir zum Verkosten neugierig und gespannt in der Runde herumgereicht haben. Es wurden 28 verschiedene Sorten auf der Farm angebaut um daraus die besten für das Gelato auszuwählen. Wir probierten eine Züchtung, die einen Teil Walderdbeere enthielt, aber ohne den herben Nachgeschmack. Wir haben tatsächlich noch nie solche aromatischen Erdbeeren gegessen! Auf der Farm werden außerdem Pfirsiche, Birnen, Feigen und Melonen angebaut. Ein Team wählt in Blindverkostungen die besten Sorten für das Gelato aus. Diese werden dann in größeren Mengen gepflanzt. Die Früchte dürfen so lange am Baum reifen, bis sie ihr volles Aroma erreicht haben. Herkömmlich werden Früchte oft vor dem optimalen Reifegrad geerntet, um sie besser transportieren und länger lagern zu können. Das beeinträchtigt natürlich den Geschmack und käme Guido und Federico niemals in den Sinn. Hier geht es auch nicht um die ertragreichsten oder krankheitsresistentesten Sorten, nein, es zählt allein das, was im Gaumen passiert. Guido dabei zuzuhören, wie er über all das spricht und ihn dabei zu beobachten, wie er mit glänzenden Augen über seine Farm läuft um uns all die Sorten zu beschreiben, zu zeigen, schmecken zu lassen, war unfassbar schön. Die beiden leben einfach für ihren Traum und ihr Gelato. Das war überdeutlich zu spüren. Nicht nur das Gelato, sondern auch die Eiswaffeln und andere Leckereien werden von Grom produziert. Kekse, Cremes, Marmeladen. Alles in Perfektion.

Wir haben uns natürlich quer durch die ganze Palette gefuttert. Pistazie, Himbeere, Crema di Grom, Sorbetto al Limone, ach, jede einzelne Sorte war himmlisch cremig, fruchtig, lecker. Ob es wirklich das beste Gelato der Welt ist? Das können wir natürlich nicht wissen. Wir sind aber davon überzeugt, dass es ganz besonders ist und genau so, nirgends sonst zu finden sein wird.

Die zwei Tage in und um Turin drehten sich aber nicht allein um Eis. Wir lieben die Italiener dafür, dass sie ihren Gästen mit voller Inbrunst ihre Esskultur präsentieren und näher bringen möchten. So zogen wir auch an den folgenden Tagen durch die Lieblingsrestaurants der Gastgeber um lokale Spezialitäten kennenzulernen, verkosteten Weine, genossen den Trubel Turins auf dem größten Freiluftmarkt Europas, dem Mercato di Porta Palazzo, von der Mole Antonelliana aus überblickten wir die ganze Stadt. Wir werden zurückkommen, das ist keine Frage! Bis dahin können wir das wunderbare Gelato von Grom zum Glück auch in Deutschland genießen. Hier kommt es nämlich in ausgewählten Supermärkten ins Eisfach.

6 Kommentare

  • Chef‘s Table hat eine sehr gute Epsiode über einen Mann der in Italien auch noch traditionell Glacé herstellt!

    • Oh die Folge kennen wir noch gar nicht! Das schauen wir uns mal an. Petrini erwähnte in dem Interview auch eine besondere Gelateria, vielleicht ist es ja diejenige?!
      Der Kern, der aus diesem Interview herauskommt, ist natürlich sehr verallgemeinert. Mann kann nicht jede Eisdiele in Italien kennen. Es ging sicher eher um seinen Unmut, dass zu der Zeit ein Großteil der Eishersteller mit industriellen Produkten arbeitete und die Tradition dadurch natürlich immer mehr verloren ging.

  • gerade habe ich Euren Beitrag über GROM gelesen und würde das Eis sehr sehr gerne auch probieren – welche sind denn die ausgewählten Supermärkte in Deutschland?

  • Mir läuft beim Lesen das Wasser im Mund zusammen, nicht nur wegen dem Eisl
    Das sieht alles nach einer wunderbaren Zeit aus, die dort verbringen durftet.
    Euer Bericht, die Bilder wecken Erinnerungen an unseren Urlaub auf der Fattoria La Vialla, wenn ihr die nicht kennt, schaut mal auf die Website.
    BG
    Günter

    • Lieber Günter, wir freuen uns sehr, dass unser Bericht so schöne Erinnerungen bei dir weckt. Die Fattoria sieht super schön aus! Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ihr eine unvergessliche Zeit dort verbracht habt. Liebe Grüße, Susann

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