JUL 2024

Kuratiertes Verwildern

Die Bepflanzung unseres Vorgartens wurde so geplant, dass zwischen den Stauden aus der Gärtnerei genügend Freiräume für eine natürliche Versamung bleiben. So kann ein sehr natürliches, wildes und lebendiges Bild entstehen. In diesen Prozess mussten nicht nur die Pflanzen, sondern auch wir selbst erst hineinwachsen. Zu Beginn war das durchaus herausfordernd. Denn eine lockere Pflanzung erfordert eine andere Fürsorge als ein dicht bepflanztes Staudenbeet. Mehr offener Boden bedeutet mehr Beikräuter und auch eine größere Verdunstung. Das machte in den ersten beiden Jahren nach der Pflanzung 2022 eine koordinierte Pflege und Bewässerung nötig. Es ist nicht zu unterschätzen, wie schwierig es sein kann, die gewünschten Keimlinge von Fingerhut, Akelei, Lunaria und Wald-Aster von weniger erwünschten Beikräutern zu unterscheiden, die anfangs in großer Zahl aufliefen.

Schmunzelnd erinnern wir uns daran, wie wir im vergangenen Jahr wochenlang hofften, dass die reich versamten Mini-Versionen der Nesselblättrigen Glockenblume vor uns standen und nicht doch etwas anderes. Jetzt ziehen sie sich wunderschön durch die Beete und verwandeln den Gartenbereich ab Anfang Juli in ein Meer aus lila Blüten.

Teilweise ist auch beherztes Eingreifen gefragt, wenn bewusst angesiedelte Pflanzen Überhand nehmen und andere zu verdrängen drohen. Wir versuchen, die richtige Balance zu finden: Freiheit zugunsten der Wildheit zuzulassen und zugleich Grenzen zum Erhalt der Vielfalt zu setzen. So kann durch das kuratierte Verwildern eine ganz besondere Staudenfläche im Vorgarten entstehen.

Pflanzplanung: Sebastian Conrad