In unserem letzten Artikel haben wir euch bereits einen Einblick darüber gegeben, wie wir uns organisieren, um bei Saatgut, Sorten und Anzucht nicht den Überblick zu verlieren. Im nächsten Schritt geht es darum, das Gemüse so ins Beet zu bekommen, dass wir über einen möglichst langen Zeitraum eine abwechslungsreiche und üppige Ernte einfahren können. Doch bevor wir unsere Beetpläne für die neue Saison mit euch teilen, möchten wir erst einmal über ein spannendes Thema schreiben, auf dem unsere gesamte Pflanzplanung beruht.

Auch wenn unsere Gartenstruktur sehr geometrisch und geordnet ist, mögen wir es im Grunde gerne wild. Mit verschiedenen Pflanzen, die unterschiedliche Farben, Höhen und Strukturen in den Garten bringen, brechen wir die Geradlinigkeit wieder auf und geben dem Nutzgarten, auch wenn er künstlich angelegt ist, die nötige Natürlichkeit. Pflanzen miteinander zu kombinieren finden wir also schon einmal rein optisch wunderbar. Für uns hat es allerdings noch eine andere, viel wichtigere Bedeutung.

Um den Boden möglichst wenig auszulaugen und Krankheiten vorzubeugen, bauen wir unser Gemüse in Mischkultur an. Die Pflanzen werden so miteinander kombiniert, dass sie gegenseitig voneinander profitieren können. So kann eine Pflanze die Nährstoffe aus dem Boden aufnehmen, die die benachbarte Pflanze nicht oder nur in geringen Mengen braucht. Pflanzen geben aber auch selbst verschiedene Substanzen aus ihrem Stoffwechsel ab, die für den Boden und ihre Nachbarn nützlich sein können. Es entsteht ein Wechselspiel aus Geben und Nehmen. Das kann unterirdisch durch Wurzelausscheiden stattfinden, oder auch überirdisch über Düfte wie ätherische Öle. Auch weitere Pflanzeneigenschaften begünstigen bestimmte Kombinationen. So setzt man tief- mit flachwurzelnden Pflanzen zusammen oder hoch wachsende Pflanzen mit bodenbedeckenden.

Durch dieses Zusammenspiel fördern sich Pflanzen im Wachstum und wehren im optimalen Fall sogar Schädlinge und Pflanzenkrankheiten ab, bzw. wirken ihnen vorbeugend entgegen.

Solch ein Gleichgewicht ermöglicht es, wenig einzugreifen und kann viel Arbeit und Ärger ersparen.

Auf diesem Prinzip basieren alle ökologischen Kreisläufe, die die Natur in vielen Jahrtausenden perfektioniert hat. Nehmen wir einen Wald oder eine Wiese. Die einzelnen dort wachsenden Arten haben sich im Laufe der Zeit aufeinander eingestellt um eine Gemeinschaft zu bilden, in der jeder die Menge an Licht, Wasser, Raum und Nähstoffen bekommt, die er benötigt. Das Ziel bei unserer Beetplanung ist es, uns genau solche guten Nachbarschaften zwischen den Kulturpflanzen zu Nutze zu machen und schlechte zu vermeiden. Hierfür können wir zum Glück auf Wissen und Erfahrungen, die auf jahrzehntelangen, teilweise sogar jahrhundertelangen Beobachtungen beruhen, zurückgreifen. Stück für Stück möchten wir diese Zusammenhänge besser verstehen und nachvollziehen können.

Dafür hat es uns erst einmal sehr geholfen, uns einen Überblick über die verschiedenen Pflanzenfamilien zu verschaffen. Denn Pflanzen gleicher Familie sind in der Regel keine guten Partner. Sie wirken sich nicht positiv aufeinander aus, da sich sowohl der Nährstoffbedarf ähnelt, als auch die selben Schädlinge angezogen werden oder eine Anfälligkeit für die selben Krankheiten besteht. Ob man also eine ganze Reihe Gurken anbaut, oder sie sich mit Kürbissen und Zucchini abwechseln, hätte keinen Einfluss auf die Pflanzengesund da alle drei zur selben Pflanzenfamilie gehören.

 

Am Ende dieses Artikels haben wir euch eine ausführliche Tabelle zusammengestellt, damit ihr bequem ablesen könnt, welche Kulturen sich gut vertragen und welche lieber nicht zusammen gepflanzt werden sollten. Ein paar Mischkulturen, die wir bereits erfolgreich angepflanzt haben, möchten wir euch noch etwas genauer vorstellen.

Kürbis, Mais und Bohnen

Eine der wohl ältesten Mischkulturen ist die so genannte „Milpa“. Schon seit Jahrhunderten kombinieren die Maya und ihre Nachfahren die „drei Schwestern“ Kürbis, Mais und Stangenbohnen miteinander. Der gegenseitige Nutzen findet hier auf ganz unterschiedlichen Ebenen statt. Die Maispflanzen dienen als Rankhilfe für die Bohnen, diese versorgen wiederum Mais und Kürbis über ihre Wurzeln mit Stickstoff. Der Kürbis bedeckt mit seinen ausladenden Blättern den Boden und schützt ihn vor Austrocknung und ungewünschten Beikräutern. 

 

Kohl, Sellerie und Tomaten

In der letzten Saison bestand eines unserer Beete aus Blumenkohl, Sellerie und Tomaten. Die Nährstoffe, die der Sellerie nicht verwerten kann, sind für den Blumenkohl wachstumsfördernd und so leichter zugänglich. Sellerie hält mit seinem Duft außerdem Kohlschädlinge fern. Die Tomaten halten ebenfalls Kohlweißlinge fern und schützen den Sellerie vor Rostkrankheiten.

Auch Rot- und Weißkohl pflanzen wir zusammen mit Tomaten, um den Befall von Kohlweißlinge zu reduzieren.

 

Lauch und Möhren

Die von der wachsenden Möhrenwurzel ausgehenden Gase haben einen Wachstumsfördernder Einfluss auf Lauch. Dieser wiederum hält, wie auch andere Zwiebelgewächse, die Möhrenfliege fern.

 

Kohlrabi und Spinat

Eine schöne Mischkultur im Frühjahr ist Kohlrabi und Spinat. Der Spinat sondert Saponin ab, welches das Wachstum von Kohlrabi fördert. Davon können auch viele andere Gemüsesorten profitieren. Die Saponine verbessern die Nährstoffaufnahme der benachbarten Pflanzen. Der Spinat beschattet außerdem den Boden und hält damit das Wasser im Boden und lästige Beikräuter fern. 

 

Zwiebelgewächse und Erdbeeren

Zwischen unsere Erdbeeren stecken wir Zwiebeln und Knoblauch, da beides durch seine bakteriziden u. fungiziden Wirkstoffe gut gegen Spinnmilben und Bodenpilze wirken. Auch andere Zwiebelgewächse wie Schnittlauch oder Lauch können vor Grauschimmel bei Erdbeeren schützen. 

Kräuter und Blumen in der Mischkultur

Ein Großteil der Küchenkräuter kann bereichernd für Gemüsepflanzen sein. Thymian, Ysop, Rosmarin und Salbei sollen durch Duftabsonderungen Kohlweislinge, Kohl- oder Möhrenfliegen vertreiben. Generell gehören Kräuter, Gewürz- und Heilpflanzen zu unseren liebsten Mischkulturen.

 

Bohnenkraut

Bohnen und Bohnenkraut sind nicht nur im Kochtopf eine gute Kombination. Das Kraut vertreibt die Bohnenfliege und die Schwarze Bohnenlaus. Die Duftstoffe des Bohnenkrauts fördern außerdem das Wachstum und Aroma der Hülsenfrüchte. Auch Rote Bete und Salat profitiert von dem Würzkraut.

Tagetes und Ringelblume

Tagetes und Ringelblumen schützen vor bestimmten Arten von Nematoden. Die Fadenwürmer kommen in mehreren Tausend verschiedenen Arten vor und können zwar auch nützlich, im Großteil aber schädlich sein. Durch das Eindringen in das Wurzelsystem können Nematoden den Stoffwechselkreislauf von Pflanzen stark beeinträchtigen. Erbsen, Bohnen, Möhren, Kohl, Beeten, Rüben, Zwiebeln, Lauch oder Kartoffeln mögen die meist mikroskopisch kleinen Würmchen besonders als Wirtspflanzen. Daher bietet es sich an diese gemeinsam mit Ringel- oder Studentenblumen (Tagetes) anzubauen. Die Tagetes sollen auch bestimmte Viren, die weiße Fliege und Läuse fernhalten. Zwischen die Reihen gesät haben Ringelblumen eine förderliche Wirkung auf z.b. Tomaten. Besonders über ihr Wurzelwerk scheiden sie Pflanzenfördernde Substanzen aus.

 

Kamille

An den Rändern von Bohnen und Erbsen, zwischen Salat und Spinat fördert die Kamille die Widerstandskraft gegen Pilzkrankheiten. Auch auf das Wachstum von Tomaten und deren Aroma soll sie positiven Einfluss haben.

 

Borretsch

Borretsch sieht nicht nur hübsch im Beet aus, er lockt mit seinen vielen Blüten auch unzählige Insekten an. So fungiert er als hervorragende Bestäubungshilfe. Hier profitieren besonders Gurke, Zucchini und Kürbis von ihm. Die Gewürz- und Heilpflanze soll aber auch Schädlingsabweisend bei Kohlrabi und anderen Kohlarten wirken. Außerdem halten die haarigen Blätter Schnecken fern. Man sollte die Pflanze allerdings bevorzugt an die Beetränder setzen, da sie enorm wuchern und so den Kulturpflanzen schnell Konkurrenz um Licht, Wasser und Nährstoffe machen kann.

Kapuziner Kresse 

Sie wehrt durch ihren scharfen Geruch Schadinsekten, besonders Läuse, ab. Hier sollte man sich jedoch für eine kleinbleibende, bodendeckende Sorte entscheiden, da sie sich sonst schnell im Beet ausbreitet und natürlich zum Saisonende, wie auch die Ringelblume, jede Menge Samen hinterlässt. Diese sollte man, wenn die Pflanzen sich nicht wild ausbreiten sollen, vor der Reife abernten.

 

Sonnenblumen

Sonnenblumen können als Bodenverbesserer dienen. Diese Jahr möchten wir eine niedrig wachsende Sorte im Nutzgarten integrieren.

 

Basilikum

Basilikum wächst aufgrund seiner förderlichen Wirkung bei uns ebenfalls an verschiedenen Stellen im Garten. Gegen Mehltau und die Weiße Fliege setzen wir es zum Beispiel an Gurken oder Kohlgewächsen ein.

 

Dill

Dill fördert die Keimfähigkeit von Saaten und hält durch seine Duftstoffe Schädlinge, wie Blattläuse, ab. Möhren, Gurken, Kohlarten, Rote Bete, Zwiebeln und Dicke Bohnen profitieren von ihm. Wir sähen Dill, in vielen unserer Beete, zwischen die Gemüsepflanzen.  

 

Man muss natürlich dazu sagen, dass eine Anpflanzung in Mischkultur keine Garantie bietet, dass ihr keinerlei Schädlinge im Gemüsebeet habt und nur noch prall gefüllte Erntekörbe aus dem Garten schleppt. Der Anbau von Gemüse in Mischkultur kann aber einen guten Beitrag zu einem gesunden Garten leisten. Darüber hinaus finden wir, dass es wunderschön ausschaut, wie die verschiedenen Gemüsesorten, farbenprächtig und auf unterschiedlichen Ebenen, im Beet zusammen wachsen.

Mischkultur Tabelle

Artischocke Aubergine Blumenkohl Brokkoli Buschbohne Chili Chinakohl Erbse Feldsalat Grünkohl Gurke Herbstrübe Kartoffel Knoblauch Knollenfenchel Kohlrabi Kopfsalat Kürbis Lauch Mairübe Mangold Möhre Paprika Pastinake Puffbohne Radieschen Rettich Rosenkohl Rote Bete Rotkohl Rucola Schwarzwurzel Sellerie Spargel Spinat Stangenbohne Tomate Weißkohl Wirsing Zucchini Zuckermais Zwiebel
Artischocke
Aubergine
Blumenkohl
Brokkoli
Buschbohne
Chili
Chinakohl
Erbse
Feldsalat
Grünkohl
Gurke
Herbstrübe
Kartoffel
Knoblauch
Knollenfenchel
Kohlrabi
Kopfsalat
Kürbis
Lauch
Mairübe
Mangold
Möhre
Paprika
Pastinake
Puffbohne
Radieschen
Rettich
Rosenkohl
Rote Bete
Rotkohl
Rucola
Schwarzwurzel
Sellerie
Spargel
Spinat
Stangenbohnen
Tomaten
Weißkohl
Wirsing
Zucchini
Zuckermais
Zwiebeln

Gute Nachbarn   Schlechte Nachbarn

17 Kommentare

  • I was wondering if there is a way to get a printable copy of this lovely graph? I haven’t seen one with the addition of herbs before and would love to have this tucked away always in my gardening journal=)

  • Hach, wie wunderbar ist dieser Beitrag wieder!! Ich liebe eure Fotos und die superpraktischen Tipps für Garten und Kochen. Habe euere APP schon lange und mir auch euer Kochbuch noch gekauft und benutze beides sehr oft. Schade, dass sie APP nicht mit all euren weiteren Rezepten gespickt wird, aber man fin der sie ja zum Glück auf eurem Blog. Danke, dass ihr das alles so großzügig teilt!
    Ist es nun vielleicht auch möglich, dass man sich die Tabelle für die Mischkultur ausdrucken kann? Ich habe 2 große Hochbeete und beherzige dort auch Mischkultur, habe aber keine so umfangreichen Angaben für alle mir wichtigen Gemüsearten. Es wäre echt mega toll!!
    Liebe Grüße aus dem Lipperland
    Ellen

    • Liebe Ellen,

      wie schön, dass du so viel Spaß an Blog, Buch und App hast! Das freut uns sehr! Wir finden es auch schade, dass die App nicht erweitert wird. Der Entwickler möchte leider nicht weiter daran arbeiten.

      Wir haben uns bewusst dazu entschieden, die Tabelle direkt online im Beitrag zur Verfügung zu stellen. Wir selbst planen unsere Beete am Schreibtisch und nicht im Garten, sodass es für uns viel praktischer ist, die Tabelle online anzuschauen. So können wir auch einfacher die Spalten ablesen.
      Beides anzubieten können wir rein zeitlich einfach nicht leisten. Die Infos zu übertragen und Spalte für Spalte, Zeile für Zeile noch einmal zu kontrollieren, hat uns einige Stunden gekostet. Sie noch einmal komplett in eine druckbare Tabelle zu übertragen, würde ähnlich lang dauern. Im Prinzip kannst du das auch selbst machen, wenn du sie so gerne drucken möchtest. Wir wünschen dir ganz viel Spaß beim Planen!

      Liebe Grüße
      Susann

  • Wunderbare Infos steckt sehr viel Mühe drin ?macht weiter so. Empfehle euch gern weiter. Viele Grüße aus dem Vorharz
    René

  • Hi! Thank you guys, this is lovely. I wonder if you can recommend any further resources- books, articles, etc on companion planting. I’m specifically interested in traditional and ancestral methods (such as the three sisters). Thank you so much!

    • Dear Alena, we unfortunately can’t recommend any English books, I’m so sorry! Wishing you a lovely gardening season, Susann

  • Vielen vielen Dank für diesen Beitrag, das waren genau die Informatinen die ich gesucht habe und eure Fotografien sind wirklich wunderschön! Ich hoffe ich kann in meinem Garten auch so wunderbare Beete anlegen. Liebste Grüße und ein größes Dankeschön!

    • Liebe Isa, ach wie schön, das wir dir weiterhelfen konnten. Wir wünschen dir eine wundervolle und ertragreiche Gartensaison! Alles Liebe, Susann

  • Wow, von eurem Garten kann man ja nur träumen! Ihr macht wirklich einen super tollen Blog, eure Fotos begeistern mich und eure Beiträge sind super informativ und toll geschrieben.
    Liebe Grüße aus Hannover, Cookinglisa

  • Erstmal vielen lieben Dank für die vielen tollen Inspirationen… jetzt meine Frage: ich habe so viel Pflücksalat und Baby leaf… was kann ich da am besten dazu pflanzen… habt ihr eine Idee? Lg Alexandra

  • Es ist wunderschön und eine Freude zu sehen, wie es bei euch wächst und gedeiht.
    Gibt es ein neues Rezept für ein Sommersalz?
    Danke und liebe Grüße
    Ute Burchards

    • Liebe Ute, danke für die lieben Worte! Wir probieren wahnsinnig viel aus aber ehrlich gesagt, sind wir etwas schreibfaul geworden, was Rezepte angeht ;) Wir haben eine Handvoll verschiedene Salze, die alle toll sind. Ein Tomatensalz, ein Bärlauchsalz, Kräuter Nord (Petersilie, Dill, Liebstöckel etc.), Kräuter Mediterran (Rosmarin, Salbei etc.), ganz tolles Blütensalz (Schnittlauchblüten, Glockenblume, Ringelblume, Veilchen, Tagetes etc.) aber für keines gibt es ein Rezept…

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