Unser Garten steht in voller Blüte oder besser gesagt in voller Frucht. Aufwändig ist aktuell nicht die Pflege der Pflanzen oder das Jäten von Unkraut, sondern die Ernte selbst. Jeden Tag landet etwas im Erntekorb und damit verlagert sich die anfallende Gartenarbeit in die Küche. All das Obst und Gemüse können wir gar nicht frisch aufbrauchen. Ohne Keller oder riesigen Kühlschrank fehlen uns Lagermöglichkeiten sodass wir, je nach Gemüsesorte, die Ausbeute oft schon wenige Tage nach der Ernte verarbeiten müssen. Durch Einmachen, Fermentieren, Einkochen und Einlegen konservieren wir das Obst und Gemüse für die kommenden kalten Monate, in denen es im Garten, bis auf einige wenige Wintergemüse, eher mau aussehen wird. 

 

Eine Methode des Haltbarmachens möchten wir euch näher vorstellen: das Dörren. Vor einigen Jahren sind wir beim Stöbern bei Keimling Naturkost* auf das Dörrgerät Excalibur Mini gestoßen. Für den alltäglichen Gebrauch in unserem Zwei-Personen-Haushalt war es bestens geeignet. Leicht und platzsparend. Darüber sind wir mit unserem Garten und den großen Mengen an Kirschen, Äpfeln, Beeren und allerhand Gemüse nun aber hinausgewachsen. Es musste etwas Größeres her! Das Excalibur EXC10EL Dörrgerät aus Edelstahl stand schon länger auf unserer Wunschliste. Da kam die Anfrage für eine Zusammenarbeit mit Keimling gerade recht. Keimling Naturkost steht für rohköstliche Ernährung, bietet ausschließlich vegane Premium-Qualität an und ist genau die richtige Anlaufstelle für Produkte, die möglichst nachhaltig hergestellt werden und sich perfekt für eine gesunde, vegane Ernährungsweise eignen. An der umfangreichen Produktpalette des Unternehmens schätzen wir besonders die Verarbeitungsgeräte wie zum Beispiel Profimixer, Entsafter und Dörrautomaten. Unser Personal Blender, der Entsafter von Kuvings und der starke Vitamix leisten in unserer Küche schon viele Jahre gute Dienste.

Auch das Profidörrgerät konnten wir nun einige Wochen ausprobieren. Im Gegensatz zum kleinsten Bruder (Keimling bietet unterschiedliche Größen und Modelle von Excalibur und anderen Dörrgeräten an), den wir schnell nach Bedarf ein- und auspacken konnten, hat das neue Gerät nun einen festen Platz in unserer Küche und ist dementsprechend regelmäßig im Einsatz. Noch nie haben wir so viel im Dörrgerät zubereitet wie dieses Jahr!

 

Bevor wir euch noch mehr über das Gerät erzählen, möchten wir auf die Methode an sich eingehen. In einer Zeit, in der Obst und Gemüse das ganze Jahr über im Supermarkt frisch erhältlich ist, denken wohl die wenigsten über die althergebrachte und in den Köpfen etwas verstaubte Methode des Dörrens nach. Dabei ist es auch ohne eigenen Garten eine tolle Möglichkeit saisonale Zutaten für die kälteren Monate haltbar zu machen. Wer saisonal einkauft, kauft nicht nur nachhaltiger und günstiger, sondern wird mit dem bestmöglichen Geschmack und wertvollen Inhaltsstoffen belohnt. Warum also fades Obst und Gemüse aus dem Gewächshaus oder vom anderen Ende der Welt essen, wenn man den Geschmack des Sommers so wunderbar konservieren kann?! 

Dörren ist eine der ältesten und einfachsten Konservierungsmethoden. Durch den Entzug von Wasser in Lebensmitteln, der Dehydration, wird Mikroorganismen die Lebensgrundlage entzogen und die Haltbarkeit der Lebensmittel dadurch verlängert. Die schonende Trocknung sorgt dafür, dass Vitamine und Mineralstoffe enthalten bleiben. Außerdem bekommt das Obst oder Gemüse einen noch intensiveren Geschmack. 

Wer schon einmal gedörrte Erdbeeren gegessen hat, kommt nicht so leicht davon los. Kinder kann man damit ganz besonders begeistern. Yannic kann sich noch gut an das Fruchtleder seiner Mutter erinnern, das er und seine Schwestern als Kinder so sehr geliebt haben. Wir geben gedörrte Früchte, wie Beeren und Kirschen, am liebsten ins selbstgemachte Müsli oder als Pulver über Desserts. Der Geschmack ist unheimlich intensiv und die Optik von Frucht-Pulver einmalig.

Am meisten experimentiert haben wir in dieser Saison jedoch mit herzhaften Dörr-Rezepten. Gekörnte Brühe aus Möhre, Sellerie, Pastinake, Zwiebel, Knoblauch, Petersilie und Liebstöckel als natürliches, selbstgemachtes Würzmittel, sowie verschiedene Salze mit mediterranen Kräutern oder gedörrten Tomaten.

Zwiebeln haben wir in Mehl gewälzt, in der Pfanne gebraten und anschließend getrocknet, sodass wir die Röstzwiebeln nun griffbereit auf Vorrat haben. Zucchini- und Schwarzkohlchips oder würziges Knäckebrot werden zwischendurch schon weggesnackt und schaffen es vermutlich gar nicht erst die nächsten Wochen zu überstehen. Die getrockneten Pilze duften herrlich und auch aus den Gläschen mit getrockneten bunten Blüten mag man die Nase gar nicht mehr herausnehmen. Eine Kräutertee-Mischung haben wir euch bereits im Blog vorgestellt, dazu gesellte sich noch ein Früchtetee mit Hagebutten, Äpfeln und Ringelblumen. Was für ein Aroma!

Die Liste könnte noch ewig weitergehen und die Ideen, was wir im Dörrgerät zubereiten könnten, werden nicht weniger.

 

Das Tolle ist, dass wir ohne Ende ausprobieren können. Trocknen ist sehr platzsparend, da das Volumen des Dörrgutes um ein Vielfaches reduziert wird. Statt Unmengen an Gläsern von einer Sorte Marmelade oder eines Ferments, wird beim Dörren der volle Geschmack auf kleinem Raum konzentriert. Das spart Lagerplatz und gekühlt werden muss es auch nicht. Auch muss man, bis auf das Putzen und Schneiden und gegebenenfalls Würzen von Obst und Gemüse, nichts weiter zum Dörren vorbereiten, was es zu einer sehr zeitsparenden Variante des Haltbachmachens macht. Beachten muss man auch recht wenig, sodass man sich nicht den Kopf darüber zerbrechen muss, ob man alles richtig gemacht hat. Lediglich von schadhaften Stellen sollte man die Lebensmittel befreien und bei niedriger Temperatur trocknen, um möglichst viele Inhaltsstoffe zu erhalten.

 

Nun möchten wir noch ein paar Fakten zum Excalibur EXC10EL Dörrgerät loswerden. Das Gerät hat ein digitales Thermostat von 35°C bis 74° C und einen Timer. Man kann also alles ganz bequem programmieren und ein perfektes Trocknungsergebnis erzielen. Kein Übertrocknen mehr, weil das Gerät über Nacht doch zu lang läuft oder man tagsüber außer Haus ist. Dass das Gerät komplett aus Edelstahl ist, ist trotz des Gewichtes ein großer Pluspunkt für uns. Wir werden aufgrund der robusten Bauweise garantiert die nächsten Jahrzehnte Freude daran haben. Die 10 Einschübe aus Edelstahl bieten eine große Dörrfläche, auf der wir eimerweise Obst und körbeweise Gemüse ohne Probleme verarbeiten können. Durch die transparenten, zweiflügeligen Glastüren hat man jederzeit Einsicht auf das Dörrgut und kann die Einschübe bequem entnehmen und einschieben. Ein Krümelfach erleichtert das Reinigen, spezielle Dörrfolien erlauben das Trocknen von Pürees u.ä. und verhindern ein Ankleben von feuchten Zutaten. 

Zu technisch möchten wir gar nicht werden aber ein paar Besonderheiten an dem Gerät sind definitiv erwähnenswert. Der Excalibur EXC10EL arbeitet mit der Hyperwave Technologie. Die Lufttemperatur bewegt sich dabei um die eingestellte Temperatur. Grund dafür ist, dass die Oberflächenfeuchtigkeit schnell verdunstet, sobald die Lufttemperatur ansteigt, wobei gleichzeitig Verdunstungskälte entsteht. Die fluktuierende Lufttemperatur (Hyperwave Technology) hilft dabei eine konstante Temperatur im Dörrgut zu bewahren. Um das Thema der Verdunstungskälte dreht sich auch der duale Dörrmodus, von dem wir sehr begeistert sind. Er bietet die Möglichkeit zwei verschiedene Temperaturen zu programmieren. Zu Beginn des Dörrens bleibt die Temperatur im Dörrgut selbst durch die Verdunstungskälte niedriger, als die eingestellte Temperatur. Deswegen kann man die ersten zwei Stunden ohne Probleme eine etwa 10 Grad höhere Temperatur wählen und dennoch in Rohkostqualität trocknen um Vitalstoffe im Obst und Gemüse zu erhalten. Anschließend stellt das Gerät automatisch auf die gewählte zweite Temperatur und Zeit um. Der Dörr-Vorgang geht damit natürlich viel schneller.

 

Wir sind wahnsinnig begeistert davon, im Dörrgerät das pure Aroma herauszukitzeln und Obst und Gemüse mit ganz neuen Ideen zu betrachten und zu verarbeiten.

Immer wieder erzählen wir euch davon, wie sehr uns die Menschen in unserer Mecklenburger Nachbarschaft begeistern. All die wunderbaren, inspirierenden Bekanntschaften tragen einen beachtlichen Teil dazu bei, dass wir uns hier so wohl fühlen. Von einem dieser Menschen, Olaf Schnelle*, habt ihr hier vermutlich schon gelesen. Seinen Ideen zur Neugestaltung unseres Gartens haben wir den Gemüsegarten und die vielen schönen Stauden um unser Gewächshaus herum zu verdanken. Er lieferte den entscheidenden Anstoß dazu in dieser Saison noch einmal ganz neu zu starten und alles vom hinteren Bereich unseres Grundstückes nach vorne zu verlegen. Die Mühen haben sich mehr als gelohnt!

Olafs Arbeit verfolgen wir bereits einige Jahre begeistert und deswegen freuen wir uns sehr über den Austausch mit ihm als Fachmann fürs Gärtnern und Fermentieren. Um letzteres ging es neulich bei einem Besuch in seinem Garten. An anderer Stelle haben wir bereits von seinem wild-romantischen Paradies geschwärmt und wie sehr dieses Fleckchen uns inspiriert hat. Dort fällt es unheimlich leicht die Gedanken schweifen zu lassen und kreativ zu werden. Gemeinsam tüftelten wir einige Rezepte aus, bei denen Olafs Fermente die Hauptakteure darstellten, sowie auf dem Feuer gegrilltes Gemüse aus seiner Gärtnerei. Eine perfekte Kombination! Entstanden sind 5 ganz verschiedene Gerichte. Ein spannender, kreativer Prozess, der in einem köstlichen Abendessen gipfelte. 

Unser kleines Sommer-Grill-Menü bestand aus einem erfrischenden Gurkengetränk mit Dill und dem Saft von Olafs Sauerkraut mit Küstentanne. Die Stängel von geschossenem Kopfsalat marinierte Olaf in Öl und seiner fermentierten Chilipaste. Fermentierte Lavendel-Bete mixte er mit Dill und etwas Olivenöl zu einem Dressing.

Besonders inspiriert haben uns die Blütenstängel vom Kopfsalat, da wir nie darüber nachgedacht hätten, dass sie überhaupt essbar sind. Wieder etwas gelernt!

Unser Beitrag zum BBQ waren herzhaft gefüllte Hefeschnecken mit Estragon, fermentiertem Senf und etwas Honig, eine Gemüsepfanne aus jungem Fenchel, Zwiebeln und fermentierter Rote Bete. Dazu im Topf gebackener junger Sellerie, den wir in der Lake von fermentiertem Quitten-Sellerie, etwas Salz und Honig mariniert haben.

Einige Fermente gab es als Antipasti mit etwas Öl und Kräutern angemacht dazu und fertig war ein ziemlich besonderes Abendessen.

Wir sind gerade fast täglich selbst damit beschäftigt zu Fermentieren, Einzukochen und Einzulegen oder zu Dörren um die Ernte aus unserem Garten haltbar zu machen. Das ist ein ziemlicher Zeitaufwand aber wir merken mehr denn je, wie bereichernd eine große Vorratskammer ist! Wenn die Zeit zum Kochen fehlt oder auch mal die Inspiration, hat man ein schnödes Gericht ganz schnell mit leckeren Fermenten in einen Gaumenschmaus verwandelt. 

Wem selbst die Muße zum Experimentieren fehlt, der wird in Olafs Onlineshop ganz sicher fündig: Bete mit Waldmeister, Karotte mit Holunderblüte, Bärlauch-Senf, Sauerkraut mit Küstentanne, Sellerie mit Quitte oder Thymian, Weiße Bete mit Lavendel, Coleslaw, Chili-Paste, Kräutersalz und andere spannende Fermente könnt ihr bei ihm bestellen. Wir haben natürlich fast alle Varianten schon selbst verkostet und daraus zum Beispiel Bohnensalat mit weißer Bete gemacht, einen Hummus mit fermentierter Bete oder Kartoffeltaler mit fermentiertem Rotkohl. Die Rezepte dafür findet ihr ebenfalls bei Olaf. Schaut mal rein!

Unser Garten ist dieses Jahr um viele Pflanzen und damit auch um Insekten reicher geworden. Dank der Unmengen an blühenden Kräutern, Stauden und Blumen, summt und brummt es in jedem Winkel. Was für ein Spektakel! Neben vielen verschiedenen Arten an Wildbienen, Hummeln und Schmetterlingen, laben sich mittlerweile auch Honigbienen am Nektar der Blüten. Sie kommen nicht von ungefähr, denn wir sind unter die Imker gegangen! Zwei Völker leben seit diesem Sommer in unserem Garten. Der Wunsch schlummerte schon eine ganze Weile in uns, denn zu einem naturnahen Garten gehören Bienen für uns einfach mit dazu. Uns geht es dabei nicht vorrangig um die Bestäubungsleistung oder den Honigertrag, sondern um unsere Faszination für diese Lebewesen.

Völlig unbedarft durften wir an das Thema natürlich nicht herangehen. Besonders an alternativen Haltungsmethoden waren wir interessiert und sind darüber ziemlich schnell auf die wesensgemäße Bienenhaltung und Mellifera e. V. gestoßen. Seit Mitte der Achtziger Jahre setzt sich der Verein für eine Haltung ein, die sich an den natürlichen Bedürfnissen des Bienenvolkes orientiert. Nachhaltig, ökologisch und vor allem wesensgemäß.

Das Ziel: „Eine Welt mit Biene, Mensch und Natur im Einklang“. Mellifera leistet Forschungsarbeit in der vereinseigenen Lehr- und Versuchsimkerei Fischermühle, bietet eine Wissensvermittlung über deutschlandweite Kurse an, einen Austausch über Mellifera-Regionalgruppen und hat außerdem verschiedene Initiativen ins Leben gerufen wie etwa das „Netzwerk Blühende Landschaft“, „Bienen machen Schule“ oder das „Bündnis zum Schutz der Bienen“. Mellifera macht sich stark für die Bienen und stark gegen ein bienenfeindliches Umfeld.

Wir waren so begeistert, dass wir ohne lange zu überlegen den Imkerkurs „Mit den Bienen durchs Jahr“ im Berliner Prinzessinnengarten gebucht haben. An fünf Terminen werden die Grundlagen der wesensgemäßen Bienenhaltung vermittelt. Natürlich gibt es nicht nur lehrreiche Theorie, sondern auch viel praktische Arbeit an den Völkern. So stand schon nach dem ersten Kurstermin fest, dass wir bereits im selben Jahr mit eigenen Bienen starten wollen, um bei aufkommenden Fragen direkt im Bienenkurs Antworten und Hilfe zu bekommen.
Doch was genau heißt eigentlich wesensgemäß? 

Wesensgemäße Bienenhaltung orientiert sich an den natürlichen Bedürfnissen des Bienenvolks.

In der wesensgemäßen Imkerei werden nicht die Tiere im einzelnen, sondern alle im Bienenstock lebenden Bienen, auch „der Bien“ genannt, im Ganzen als organisches Lebewesen betrachtet. Einer der wichtigsten Faktoren ist die natürliche Vermehrung über den Schwarmtrieb. Dieser geht mit der Erschaffung einer eigenen Königin und dem eigenständigen Bau des Wabenwerks einher. So kann ein gesundes Beziehungsgeflecht zwischen den Tieren entstehen. Ein Volksorganismus.  Ein weiterer Unterschied der wesensgemäßen Bienenhaltung, im Gegensatz zur konventionellen, ist die Fortpflanzung. Zur konventionellen Imkerei gehört die künstliche Befruchtung der Königin. Dabei wird der Samen von nur ein oder zwei Drohnen eingebracht. Beim natürlichen Hochzeitsflug sammelt die Bienenkönigin jedoch den Samen von zehn bis zwanzig Drohnen, was zu einer viel höheren Diversität und Anpassungsfähigkeit der Bienen führt. In der konventionellen Imkerei geht es jedoch eher um eine Anpassung der Biene an die Bedürfnisse des Imkers und hierbei steht natürlich der größtmögliche Honigertrag an erster Stelle. Dafür wird gezielt gezüchtetes genetisches Material eingebracht, der natürliche Schwarmtrieb unterdrückt und mit vorgefertigten Mittelwänden gearbeitet. Man könnte meinen, dass auch die Biene es einfacher hat, wenn ein Teil ihrer Waben schon vorgebaut ist.

Doch seit etwa einhundert Millionen Jahren bauen sich Honigbienen ihre Waben selbst. Dort lagern sie nicht nur ihren Honig ein und ziehen neue Bienen heran, sondern das Wabenwerkt dient auch als Resonanzkörper, der Schwingungen überträgt. Er ist das wichtigste Kommunikationsmittel der Bienen, die auf den Waben tanzen um andere Arbeiterinnen wissen zu lassen, wo Nahrung zu finden ist. Eine vorgefertigte, dicke Mittelwand erschwert das natürlich. Der Bien schafft es all diesen Eingriffen stand zu halten. Ohne die enorme Anpassungsfähigkeit hätte die Spezies sich nicht so erfolgreich den über die Jahrmillionen wechselnden Umwelt- und Lebensbedingungen in allen Regionen der Welt anpassen können. Jedoch hat der Mensch mit seinen Eingriffen, vermeintlichen züchterischen Optimierungen und der Zerstörung von natürlichen Lebensräumen maßgeblich dazu beigetragen, dass die Honigbienen ohne sein Zutun nicht mehr überlebensfähig sind. Was die Evolution in Jahrmillionen geleistet hat, schafft der Mensch in wenigen Jahrzehnten zunichte zu machen. Aber genug von der Schwarzmalerei! Eigentlich möchten wir euch von den schönen und faszinierenden Erfahrungen berichten, die wir in den vergangen Monaten machen durften.

Fangen wir bei der Geburt eines neuen Bienenvolkes an und damit, wie wir zu unseren Bienen kamen. In der Schwarmzeit, von Mai bis Juni, nutzen starke Bienenvölker den Überfluss an Nektar und Pollen, um sich zu teilen. Erkennen kann man die Schwarmstimmung im Volk bereits an den sogenannten Weiselzellen. Das sind Zellen, in denen neue Bienenköniginnen herangezogen werden. Die alte Königin zieht noch vor dem Schlüpfen dieser, mit einem Teil der Bienen, aus dem Stock aus.

Sie bilden einen Bienenschwarm, der sich als Traube z.b. an einem Ast ansetzt. Dieses Naturschauspiel mitzuerleben, ist ein einzigartiges Erlebnis. Während unseres Bienenkurses durften wir gleich zweimal miterleben, wie die Bienen, wie Kinder vor der Ferienzeit die Schultür stürmen, aus ihrem Flugloch purzeln. Man kann ihnen die Aufregung förmlich ansehen, die Lust auf Neues.

In der Luft, über unseren Köpfen, schwirrte eine schwarze Wolke aus kleinen tanzenden Bienenkörpern, die sich Stück für Stück zu einer Einheit zusammenfanden.

Obwohl abertausende Bienen aus der Beute gen Himmel flogen, wurde das anfänglich etwas mulmige Gefühl ganz schnell zur puren Begeisterung. In diesem Moment hatten die Bienen keine Augen und Ohren für uns Menschlein. Mit Honig für drei Tage bepackt, vorbereitet auf die Suche nach einer neue Behausung, stand ihnen der Sinn nicht nach Angriff. Was hatten sie auch zu verteidigen? Den Bienenstock zurücklassend, hatten sie schließlich ihr ganzes Hab und Gut, etwas Honig, bei sich. 

Genauso beeindruckend wie das Schauspiel an sich, war das Einfangen der Schwärme. Einer hatte sich viele Meter hoch in einen Baum nahe der Beuten im Prinzessinnengarten gehangen. Mit einer hohen Leiter und einer mehrere Meter langen Stange, an deren Ende sich ein Schwarmfangsack befand, fing unser Kursleiter Heinz Risse den Bienenschwarm und logierte ihn in eine Schwarmfangbox ein, um sie später in eine der Beuten im Garten einziehen zu lassen. Auf genau solch eine Gelegenheit warteten auch wir. Unsere Einraumbeuten von Mellifera standen, fertig aufgestellt und mit rotem und gelbem Leinölfirnes gestrichen, bereit für den Bieneneinzug. Die Entscheidung fiel auf dieses Beutesystem, da es uns für den Anfang am passendsten erschien. Das Wabenformat der Einraumbeute ist für den Naturwabenbau optimiert und erlaubt ein großes, zusammenhängendes Brutnest. Dort werden die Nachkommen herangezogen. Die Honigvorräte werden Fluglochfern im selben Raum eingelagert, wie auch beim natürlichen Aufbau im Bienenstock.

So sind auch andere Beutetypen aufgebaut, wie die Bienenkiste, die allerdings, im Gegensatz zur Einraumbeute, nur bedingt Einblick ins Bienenvolk und dessen Abläufe bietet. Wir wollten gerne beobachten, lernen und verstehen. Dazu fehlten nun nur noch die Bewohner. Wir warteten ungeduldig darauf, dass in unserer Umgebung jemand einen Schwarm einfangen würde. Über die Schwarmbörse von Mellifera kann man sich als schwarmsuchend eintragen und wird über abzugebende Schwärme benachrichtigt. Anfang Mai war es dann so weit: wir durften unseren ersten Schwarm in die rote Beute einlaufen lassen. Ja, ganz genau, sie sind eingelaufen! Wir haben sie nicht etwa, nichts ahnend, in ihre neue Behausung bugsiert, sondern sie auf dem roten Teppich (ok, er war weiß) selbst ihren Weg hinein antreten lassen. Und wieder einmal konnten wir nur mit offenen Mündern staunen. Die ersten Bienen hatten die Beute schnell inspiziert und fingen freudig an zu sterzeln, um ihre Schwestern zusammenzutrommeln. Einige folgten in die Beute und schließlich setzte sich ein ganzer Strom in Bewegung, auf das dunkle Flugloch zu. Wenn man einen Schwarm so erlebt hat, kann man gar nicht anders, als den Bien als ein Ganzes, eine Einheit, einen Superorganismus zu sehen. Diese Masse an Bienen, keinen Millimeter Raum zwischeneinander, Münder, die sich austauschen, Beinchen, die sich aneinander festhalten.

Eine Biene ist wie die Zelle unseres menschlichen Körpers, der Wabenbau unsere Knochen. Die Gesamtheit dessen ergibt das Lebewesen.

Nach dem Einzug ging es auch schon direkt los mit der Einrichtung des neuen Zuhauses. Nach wenigen Tagen waren die Holzrähmchen teilweise mit zarten, milchig weißen, perfekt geformten Waben ausgebaut. Ihr Baumaterial, kleine Wachsschüppchen, schwitzen die Bienen aus Drüsen an ihrem Hinterleib. Wahnsinn! So etwas, von der Natur erdachtes und gemachtes, kann der Mensch einfach nicht übertreffen.

Bei unserem zweiten Schwarm konnten wir, aufgrund einer glücklichen Fügung, sogar selbst beim Einfangen mit dabei sein. Über das Netzwerk von Mellifera lernten wir schon einige Zeit vorher Helmut Lutsch kennen. Uns war es wichtig auch nach dem Kurs jemanden vor Ort in Mecklenburg zu haben, der nach gleichen Grundsätzen imkert und mit dem man sich austauschen kann. Da auch Helmut seinen Bienen freien Lauf lässt und das Schwärmen nicht verhindert, fand sich ein Teil der Bienen aus einem seiner Völker in Augenhöhe am Essigbaum wieder. Die Bienentraube war wunderschön anzusehen. Wir sind wahnsinnig dankbar dafür, dass er uns direkt anrief, dabei sein lassen hat und uns den Schwarm schließlich überließ.

Gemeinsam haben wir ihn dann am nächsten Tag bei uns einlaufen lassen. In den Wochen danach haben uns die neuen Hofbewohner viel zum Nachdenken gebracht. Vor allem über die Tierhaltung an sich und unser Eingreifen in die Natur.

Die Neugier steckt einfach in uns Menschen. So sehr wir die Bienen Bienen sein lassen wollten, so sehr wollten wir auch wissen, ob bei ihnen alles in Ordnung ist. So haben wir einmal die Woche in unsere Beuten geschaut. Haben beobachtet, ob die Jungköniginnen (denn es waren beides Nachschwärme) bereits begattet sind, ob Bienenmaden in den Waben zu sehen sind, wie viel Pollen und Nektar die Bienen bereits eintragen haben.

Wir wollten nachsehen, wie der Wabenbau vorangeht, ob sie neue Rähmchen brauchen und so weiter. Jeden Tag hockten wir auf einer Bank neben der roten Beute und beobachteten das Treiben von außen. Sahen die Bienen mit dicken Pollenhöschen ins Flugloch preschen. Sahen, neben den Arbeiterinnen (weibliche Bienen), Drohnen (männliche Bienen), die mit ihren dicken Körpern etwas plump daherkommen. Aber eine entdeckten wir nicht, die Bienenkönigin. Sie musste da sein, denn es gab neue Brut: Der Hochzeitsflug war also erfolgreich und der Nachwuchs in den Wabenzellen am heranwachsen. Als wir sie dann das allererste Mal nach vier Wochen zu Gesicht bekamen, war die Freude darüber riesig.

Schnell merkten wir, wie unterschiedlich jedes Volk sein kann, so wie jeder Mensch unterschiedlich ist. Das erste Volk, mit einigen Wochen Vorsprung im Jahresverlauf, war schlagartig explodiert. Sie bauten unermüdlich, lagerten Pollen in allen Farben des Regenbogens in ihren Waben ein, verarbeiteten Nektar zu golden glänzendem Honig und wurden immer mehr und mehr Bienen. Das zweite Volk lässt sich nach wie vor Zeit, baut gemächlich, wächst langsam. Was uns die Bienen seit ihrer Ankunft gegeben haben, ist ein noch stärkeres Vertrauen in die Natur. Vieles von dem, was sie machen oder nicht machen, verstehen wir nicht. Es gibt keine Bedienungsanleitung. Denn Bienen sind Individuen und keine Maschinen. Wir wollen sie nicht lenken, ihnen nicht aufzeigen, wie sie es richtig machen sollen. Denn im Grunde sind sie die einzigen, die genau wissen, was sie benötigen. Wie sollen wir als Menschen es verstehen? Wir sind Menschen, keine Bienen. Wir sind diejenigen, die von ihnen lernen können, nicht umgekehrt.

Wenn man sich auf die Faszination des Biens einlässt, kommt man nur schwer wieder davon los.

So geht es uns zumindest. Es ist doch unfassbar, wie zum Höhepunkt der Volksentwicklung 40.000 Individuen eine Einheit bilden können. Kaum zu glauben, was jede einzelne Biene für diese Gemeinschaft leistet, wie sehr sie sich aufopfert! Im Sommer dauert das Bienenleben einer Arbeiterin nicht länger als sechs Wochen. Nach dem Putz-, Ammen- und Wachdienst im Bienenstock, fangen die Arbeiterinnen nach der Hälfte ihres Daseins an, sich vor dem Flugloch einzufliegen. Danach geht es erst raus, in die Welt, in die Blüten. Die zweite Hälfte ihres kurzen Lebens ist die Flugbiene unterwegs und dennoch leistet sie Unglaubliches in dieser Zeit. Sie fliegt mehrmals am Tag aus und besucht dabei gut 1.000 Blüten und das auf einer Gesamtstrecke von etwa 15 km in einem Sammelgebiet von insgesamt 50 Quadratkilometern. Für ein Honigglas von einem halben Kilo legen Arbeitsbienen eine Flugstrecke von 120.000 Kilometern zurück. Das sind ganze drei Erdumrundungen! Wer so viel Arbeit in etwas steckt, sollte auch selbst davon zehren können. Wir finden, dass den fleißigen Sammlerinnen ihre eigens gesammelte Nahrung zusteht. Es ist der Nahrungsvorrat, mit dem der Bien über den Winter kommen muss. Neben Glucose und Fructose besteht der Honig aus verschiedenen Vitaminen, Aminosäuren und Mineralstoffen.

Im Gegensatz zur wesensgemäßen Bienenhaltung tauscht der konventionelle Imker das mühsam gesammelte flüssige Gold einfach durch schnödes Zuckerwasser aus, in dem natürlich keinerlei wichtige Mineralstoffe und Vitamine enthalten sind. Dabei sammeln die Bienen in der Regel so viel, dass sie einen deutlichen Überschuss einlagern. Sie könnten locker ihren Teil zum Überwintern behalten und es würden trotzdem noch einige Honigbrote für den Imker herausspringen. Bis zu 15 Kilogramm Honig im Jahr kann man allein an Überschuss eines Volkes ernten, ohne ihnen die überlebenswichtige Nahrung für die kalten Monate zu nehmen. 

Da unsere Bienenvölker beides Nachschwärme waren, brauchten sie Zeit aber vor allem Energie und damit einen großen Teil des bisher gesammelten Nektars für den Wabenbau. Daher werden wir ihnen vor dem Winter keinen Honig entnehmen, sondern lieber das nächste Frühjahr abwarten. Wir gedulden uns, bis sie in der neuen Saison wieder auf Sammelflug gehen. Dann können wir ganz sicher sein, dass wir nichts von dem wertvollen Gut nehmen, welches sie selbst zum Überleben brauchen. So werden wir, den restlichen Sommer über, noch einige Stunden das Treiben am Flugloch beobachten und hoffen, dass unsere Bienen genügend Vorräte sammeln, um es gut über den Winter zu schaffen.

Wenn auch ihr jetzt vom Bienenfieber infiziert worden seid und ihr selbst mit dem Imkern beginnen möchtet, so können wir euch einen Bienenkurs von Mellifera wärmstens empfehlen. Aber auch ohne eigene Bienen könnt ihr helfen, den Wild- und Honigbienen einen besseren Lebensraum zu gestalten. Jeder kann dabei helfen Nahrungsangebote zu schaffen. Ihr könnt in eurem Garten oder auf dem Balkon Blumenmischungen aussäen. Auch um den Rasen herum, als sogenannten Blühstreifen, kann eine solche Bienenwiese entstehen. Hecken und Obstgehölze bringen zusätzliche Blüten in den Garten. Das freut die Insekten und wir bekommen, dank der Bestäubung durch die Bienen, leckere Früchte. Wer weder über Balkon, noch einen eigenen Garten verfügt, kann das Netzwerk Blühende Landschaften mit einer Blühpatenschaft unterstützen.

 

Aber auch Wissen über und ein Bewusstsein für die Tiere kann helfen. Ende August findet in Berlin eine ganz besondere Konferenz mit super spannenden, internationalen Bienenexperten statt. Auch ein Zeidlerei-Workshop, bei dem man lernen kann, wie aus Baumstämmen Klotzbeuten gebaut werden, kann zu der Konferenz gebucht werden. Wir fiebern dem Event schon entgegen. Vielleicht treffen wir ja den ein oder anderen von euch dort. Alle Infos zur Konferenz findet ihr auf der Website von Learning from the Bees Berlin.

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